Grünkohl und Curry

Buchempfehlung von Helga Jesberger

Auf dem Dachboden seiner Eltern findet Hasnain Kazim, Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, eine Kiste mit Dokumenten die belegen, dass seine Familie in den 80er-Jahren mehrmals kurz davor stand, aus Deutschland ausgewiesen zu werden. »Ich versuche zu verstehen, weshalb meine Eltern um keinen Preis wieder wegwollten. Weshalb sie viele Jahre Streitereien mit den Behörden ertrugen, dass sie oft vor einer Ausweisung standen, jahrelang kämpften.«

Ein Kampf, der sich in Behördenzimmern und auf Amtsfluren abspielte, der manchmal schildbürgerliche Auswüchse zeigte, ein Kampf gegen die willkürliche Auslegung des geltenden Rechts, hinter dem sich der zuständige Beamte der Ausländerbehörde, »der Mann mit dem Schnurrbart«, immer wieder versteckt.

Dabei ist die Integration im täglichen Leben der Familie längst gelungen. Die Bewohner des kleinen Ortes Hollern-Twielenfleth im Alten Land nehmen sie mit offenen Armen auf, helfen bei der Einrichtung der Wohnung und stehen der jungen Frau bei, die hochschwanger ist, die Sprache nicht versteht und durch die Berufstätigkeit des Mannes häufig auf sich allein gestellt ist. Sie kaufen für sie ein, unterstützen sie, als die Geburt des Kindes ansteht, und übernehmen danach die nötigen Behördengänge – der neugeborene Knabe kommt dabei durch ein Missverständnis zu dem echt norddeutschen Vornamen Niels. Auch der Junge wird herzlich aufgenommen in der kleinen Gemeinde, besucht Kindergarten und Schule gemeinsam mit seinen deutschen Freunden.

»Ich frage mich, wie es kam, dass wir so oft Familien begegneten, die uns so herzlich willkommen hießen und uns zu einem Teil ihres Lebens machten. Merkwürdig, in welchem Kontrast das Verhalten der Menschen zu dem der Behörden stand.«

Unbeirrt kämpft die Familie weiter, räumt Stein für Stein aus dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft, wird dabei nicht nur von ihren deutschen Freunden und Nachbarn unterstützt, sondern auch vom Dorfpfarrer, von Politikern, und erst als die Entscheidung im Amt einem anderen Sachbearbeiter übergeben wird, kommt endlich der ersehnte Brief: »Mit Verfügung vom 26.10.1990 hat die Bezirksregierung Lüneburg dem Antrag auf Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit stattgegeben.«

Eine Geschichte über Liebe und Freundschaft, die mich sehr angerührt hat und zeigt, dass ein menschliches Miteinander trotz kultureller Unterschiede sehr gut möglich ist.

Helga Jesberger

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