Hella Reese

Lektorin

»Wut ist besser als Verzweiflung«

Dieses Motto aus dem ›Terminator 3‹ hat die junge New Yorker Autorin Elisa Albert ihrem Roman aus gutem Grund vorangestellt: Wie viel Wut in Dahlia, der 29-jährigen Hauptfigur steckt, wird ihr selbst nämlich erst ganz allmählich klar.

Dahlia weiß nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll: Sie verbringt ihre Zeit am liebsten auf dem Sofa, raucht Marihuana, ernährt sich von Fast Food und hängt Stunden vor der Glotze. Bis zu dem Tag, an dem sie überraschend mit der Diagnose »Gehirntumor« konfrontiert wird. Zum ersten Mal in ihrem Leben sieht sie sich dazu gezwungen, darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll mit ihrem Leben.

Der Ratgeber ›Es liegt bei dir: die Krebs-To-do-Liste‹ wird zu ihrem Lotsen. Allerdings ganz anders, als der Autor dieses gnadenlos optimistischen Selbsthilfebuches es beabsichtigt hat: Während er dazu aufruft, die Krankheit als Neuanfang zu betrachten, hinterfragt Dahlia mit viel schwarzem Humor seine beinah zynisch klingenden Tipps wie »Heile dich selbst« oder »Vergeben und vergessen« und rechnet ab: mit ihrer exaltierten Mutter, die auf ihrem Ego-Trip ihre Kinder vernachlässigt hat. Mit ihrem großzügigen Daddy Bruce, der lieber Geld gegeben hat, anstatt für seine Tochter da zu sein. Vor allem aber mit ihrem Bruder Danny, der aus unerfindlichen Gründen von einem Tag auf den anderen nur noch Hohn und Spott für seine einst vergötterte kleine Schwester übrig hatte.

Zum ersten Mal in ihrem Leben kämpft Dahlia, und obwohl rasch klar ist, dass sie gegen den Tumor keine Chance haben wird, so gewinnt sie doch etwas ganz Wesentliches: Sie bleibt sich selbst treu.

Ganz und gar unsentimental setzt sich Elisa Albert mit einem Tabuthema auseinander – ein mutiges, quicklebendiges Buch über das Sterben und zugleich eine rabenschwarze Liebeserklärung an das Leben.

Hella Reese

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