Jack London: Der Seewolf

Eine Empfehlung von Eva-Maria Prokop, dtv Lektorat Klassik

Jack London: Der Seewolf
Jack Londons
»Seewolf« ist auch ein Abenteuerroman, aber er ist noch viel mehr …

Ich kannte nur die Verfilmung von Jack Londons ›Der Seewolf‹, hatte das Buch nie gelesen. Zugegebenermaßen machte mir die Verfilmung auch keine große Lust darauf – ich erinnere mich hauptsächlich an Seeabenteuer und Gemetzel. Ich stempelte den Roman als typisches Männerbuch ab – bis die Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff zur Redaktion auf meinem Schreibtisch landete.

›Der Seewolf‹ ist ein Abenteuerroman, das steht außer Frage. Aber er ist viel mehr. Der Roman ist, entgegen meiner Annahme, keineswegs ein reines Männerbuch, im Gegenteil. Er ist ein Meisterwerk, in dem so viel Psychologie, Wissen und Philosophie stecken, dass man staunend in einen Sog gerät und das Buch nur schwer wieder aus der Hand legen kann.

Mit Wolf Larsen, dem »Seewolf«, hat Jack London eine der eindrucksvollsten Gestalten der Weltliteratur erschaffen. Er ist skrupel- und rücksichtslos, scheint oft keinen Funken Menschlichkeit in sich zu haben, aber er ist auch hochintelligent, wortgewandt, schön und faszinierend – und man könnte noch hundert weitere Adjektive nennen. Ihm steht der feinsinnige Seebrüchige Humphrey van Weyden gegenüber. Und während die Mannschaft mit Larsens Schiff »Ghost« über den Ozean oder in der Beringsee Robben jagt, führen die beiden Männer ihren ganz eigenen Kampf um Herrschaft und Macht, um den Sieg von Menschlichkeit oder Materialismus.

Lange hat mich kein Buch mehr so überrascht – und tief beeindruckt. Deshalb kann ich nur jedem und jeder(!) ans Herz legen: lest den »Seewolf« – es ist ein unglaubliches Stück Literatur.

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