Jack London: Wolfsblut

Eine Empfehlung von Simone Drönner, freie Redakteurin

»Der Sinn des Lebens war Fleisch. Das Leben selbst war Fleisch. Das Leben lebte vom Leben. Die einen fraßen und die anderen wurden gefressen. Und das Gesetz lautete: FRESSEN ODER GEFRESSEN WERDEN.«

White Fang, in dessen Ahnenlinie viel Wolf und ein bisschen Hund steckt, lernt von kleinsten Welpenbeinen an, sich an dieses Gesetz zu halten, und lebt ganz instinktiv danach. Schmerz und Hunger gehören zu seinen ersten Erfahrungen in der rauen Wildnis Kanadas, in der er – zunächst in der Obhut seiner Mutter – aufwächst. Doch da ist noch mehr: das pulsierende Leben in seinem Körper, die freudige Erregung bei der Jagd und die Freiheit, in der er sich befindet.

WolfsblutDamit hat es allerdings ein Ende, als er bei Gray Beaver und seinem Stamm landet. Fortan lebt er in Gesellschaft der Menschen und lernt auf einprägsame Weise, sich ihnen und ihren Knüppeln unterzuordnen. Auf sich allein gestellt und aus purem Überlebenstrieb entwickelt White Fang mithilfe seiner wölfischen Instinkte eine furiose Gerissenheit und Schnelligkeit im Kampf gegen die anderen Hunde des Stammes. Er wird unberechenbar und erbarmungslos.

Wahrlich kein Schoßhund! Jack London beschreibt White Fangs Erscheinung und seine gnadenlosen Kämpfe auf so eindringliche und lebhafte Weise, dass sich beim Lesen beinahe ein stetiges »Grundknurren« im Kopf einstellt.

Für seine Ergebenheit und Treue Gray Beaver gegenüber wird White Fang mit Futter und Schutz belohnt – niemals mit Zuneigung oder gar Liebe. Schließlich gerät er an den skrupellosen und bösen Beauty Smith, der White Fang durch Quälerei und schlimmste Prügel zu einer professionellen Bestie macht, mit der er bei Hundekämpfen viel Geld verdienen kann. Es ist ein elendes Leben für White Fang. Doch in buchstäblich letzter Minute wird er von einem Mann namens Weedon Scott aus seinem fast besiegelten Schicksal gerettet.

Das Besondere an Jack Londons Roman ist neben der faszinierend realistischen Beschreibung der Wildnis seine spezielle Betrachtungsweise. Ein Hund als Protagonist? Ja, das funktioniert, denn der Autor nimmt seine Hauptfigur auf vier Pfoten ernst, ohne sie zu vermenschlichen. Hinzu kommt sein fesselnder Erzählstil, der die dramatischen Kämpfe ums Überleben und die Begegnungen zwischen Mensch und Tier zu einem wunderbar spannenden Abenteuerroman verbindet.

Eine Empfehlung von Simone Drönner, freie Redakteurin

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