Jahrmarkt der Eitelkeit

Empfohlen von Astrid Erb, dtv-Lektorin

Unterschiedlicher können zwei Freundinnen kaum sein: auf der einen Seite  die freche, ehrgeizige Becky Sharp, die fast jedes Opfer für den gesellschaftlichen Aufstieg bringen würde, auf der anderen die großherzige, bescheidene Amelia Sedley, die immer zuletzt an sich denkt. Im Wettbewerb um Geld, Ansehen, Liebe und Spaß scheint sich Beckys Gewissenlosigkeit auszuzahlen, doch irgendwann stößt selbst sie an ihre Grenzen…

»Die Welt ist ein Spiegel und wirft jedem sein eigenes Bild zurück. Grollst Du ihr, so antwortet sie dir mit saurem Blick. Lach sie an und lach mit ihr; dann hast du den fröhlichsten Gesellen.«   

Thackerays Gesellschaftsroman ›Jahrmarkt der Eitelkeit‹ ist inzwischen über 150 Jahre alt und doch haben die darin behandelten Themen nichts an  Brisanz verloren: Börsenspekulation, Kriegsgewinnlertum und das ewige Wettrennen um die Erfüllung aller Wünsche (mehr Geld, ein besserer Status, mehr Spaß usw.)  – kein Wunder, dass Mira Nair ›Vanity Fair‹ (so der berühmte Originaltitel des Romans) 2004 mit Reese Witherspoon als Becky Sharp verfilmt hat.

William Thackeray kennt seine Figuren, ihre Träume und Motivationen genau und beschreibt die unterschiedlichen Lebenswege von Amelia und Becky so spannend und witzig, dass die etwa 900 Seiten eine ganz kurzweilige Lektüre sind. Dabei führt der Autor nicht nur durch England und über den halben europäischen Kontinent, sondern gibt nebenbei noch einen historischen Überblick über die napoleonischen Kriege und die folgenden Jahrzehnte. Und das alles auf interessante, humorvolle Weise. ›Jahrmarkt der Eitelkeit‹ ist schon lange eins meines Lieblingsbücher, unter anderem, weil man es wieder und wieder lesen kann.

Astrid Erb, dtv-Lektorin

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