Jasper Fforde: Wo ist Thursday Next?

Eine Empfehlung von Lutz-W. Wolff, Berlin (alias Joachim Stern)

Wo ist Thursday Next? Wenn diese Frage Sie kalt lässt, dann sind Sie ein glücklicher Mensch. Denn dann liegt sie noch vor Ihnen, diese wunderbare Lektüre, die herrliche BuchWelt des Jasper Fforde, jenes Meisterwerk der Thriller-Comedy-Fantasy-Sciencefiction, das ebenso phantasievoll und ausgefeilt wie ›Der Herr der Ringe‹ und so spannend wie Edgar Wallace, aber zugleich von der subtilen Albernheit von Monty Python und so intelligent und literarisch wie Umberto Eco, Terry Pratchett und T. C. Boyle ist.

›Der Fall Jane Eyre‹, ›In einem anderen Buch‹, ›Im Brunnen der Manuskripte‹, ›Es ist was faul‹, ›Irgendwo ganz anders‹ und jetzt: ›Wo ist Thursday Next?‹ Diese Bücher liest man nicht nur, man liebt sie.

Wo ist Thursday NextSeit über zehn Jahren bringt Jasper Fforde die Herzen der Leserinnen und Leser zum Hüpfen. Die literarische Geheimagentin Thursday Next, ihr kluger, leidgeprüfter Ehemann Landen Parke-Laine (Schriftsteller mit Holzbein), ihre Kinder Tuesday und Friday und die (wahrscheinlich fiktive) Tochter Jenny, ihr leicht beschädigter Dodo »Pickwick« (das Haustier), ihre Mutter, ihr Vater (der Zeitreisende Colonel Next von der ChronoGarde), ihr Bruder »Irrwürden« Joffy Next und die unverwüstliche Granny Next, ihre Vorgesetzen und Kollegen Victor Analogy, Spike Stoker und Bowden Cable, aber auch die Erzschurken Acheron Hades, seine Schwester Aornis, Jack Schitt und sein Bruder Brik-Schitt Hawse (von der alles beherrschenden Goliath Company) und der ehrgeizige Politiker Yorrick Kaine sind uns längst innig ans Herz gewachsen.

Dass Thursday Next immer wieder in die BuchWelt verschwindet, um Grammasiten zu bekämpfen, den Minotaurus zu jagen und die Welt vor ihren größenwahnsinnigen, skrupellosen und machtgeilen Feinden zu retten, und andererseits literarische und historische Gestalten wie Jane Eyre, Miss Havisham, Hamlet, der arrogante literarische Superstar Heathcliffe, Lady Hamilton, Bismarck und der ebenso sensible wie geschickte Neandertaler Bartholomew Stiggins immer wieder in der sogenannten »wirklichen Welt« (in diesem Fall der englischen Kleinstadt Swindon) auftauchen, versteht sich für Fforde-Ffans inzwischen von selbst.

Wer intelligente Unterhaltung sucht, vor einem Kalauer und schlauem Spaß keine Angst hat und nebenbei noch erfahren will, wie Romane eigentlich funktionieren, wird hier bestens bedient. Also am besten vorn (›Der Fall Jane Eyre‹) anfangen und sich überraschen lassen …

Ach ja – wieso Thursday Next bei ihrem sechsten Abenteuer verschollen ist und wo sie gefunden wird, verrate ich natürlich nicht. Nur so viel: Es steckt eine wirklich gemeine Intrige dahinter. Nur gut, dass die geschriebene Thursday Next fast genauso mutig und klug ist wie die echte und der untadelige, wenn auch etwas steife Roboter-Butler Sprockett ihr hilft.

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