Jochen Mai/ Daniel Rettig: Ich denke, also spinn ich

Buchempfehlung von Rosemarie Mailänder, dtv Lektorat Sachbuch

Aha! Effekt!

In längst vergangenen Zeiten, so heißt es, wurde dem Überbringer einer schlechten Nachricht der Kopf abgeschlagen. Hätte er nur  das Kontrast-Prinzip angewandt! Es beinhaltet die Erkenntnis, dass eine schlechte Nachricht nur noch als halb so schlecht empfunden wird, wenn man ihr eine noch viel schlechtere (irrelevante) vorausschickt. Das leuchtet ein. Aber es gibt auch andere – vermeintlich simple – lebensverlängernde Maßnahmen:

Rotwein trinken, Freundschaften pflegen, der Missgunst abschwören. Eine Binsenweisheit? Von wegen! Nur vier Zonen gibt es auf der Welt, in denen die Bewohner sich so strikt daran halten, dass der Anteil der über 100-Jährigen dort überdurchschnittlich hoch ist. In einer liegt das Dörfchen Roseto, das diesem Effekt den Namen gab.

Diese und jede Menge anderer Phänomene, die uns im Alltag begegnen, unser Handeln bestimmen, uns zum Vorteil oder Nachteil gereichen können, haben Jochen Mai und Daniel Rettig in ihrem ebenso informativen wie vergnüglichen Buch ›Ich denke, also spinn ich‹ zusammengetragen. Manche Effekte sind uns bestens vertraut: der Vorführ-Effekt etwa, der Domino-Effekt oder der Überraschungs-Effekt. Andere wiederum kennen wir, wenn auch (vermutlich) nicht dem Namen nach: den Andorra-Effekt z.B. (wir verhalten uns so, wie es andere von uns erwarten), den Barnum-Effekt (Horoskope funktionieren, weil wir dazu neigen, allgemein gültige Aussagen auf uns zu beziehen) oder den Begründungs-Effekt (das magische Wörtchen »weil« kann uns trotz inhaltsleerer Argumente so manchen Stein aus dem Weg räumen).

Die elf Kapitel des Buches decken die wichtigsten Bereiche unseres Lebens ab. Sie schärfen unseren Blick für Mechanismen, auf die wir achten und die wir vermeiden sollten, und für unterschwellige Reize, die unser Verhalten beeinflussen, ohne dass wir es merken. Die gibt es zuhauf. Selbst wenn wir Stein und Bein schwören, davor gewappnet zu sein: Keine Wirkung ist auch eine Wirkung (Placebo-Effekt).

Ah, noch etwas: Kaufen Sie sich das Buch nach Möglichkeit sofort. Schieben Sie die Lektüre nicht auf die lange Bank. Die 72-Stunden-Regel besagt nämlich … na, lesen Sie selbst!

Rosemarie Mailänder, dtv Lektorat Sachbuch

Am Freitag, denn 22. Juli stehen Ihnen Jochen Mai und Daniel Rettig übrigens beim ›Fragefreitag‹ von lovelybooks.de Rede und Antwort.

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