John Steinbeck: Die Perle

Buchempfehlung von Esther Böminghaus, dtv Lektorat Literatur

»… und da lag die große Perle, glänzend wie der Mond, vor ihm. Sie fing das Licht ein und strahlte es gereinigt, silbern und glühend wieder zurück … Sie war die größte Perle der Welt.«

Für den armen Fischer Keno verändert sich in diesem Moment sein ganzes Leben. Dinge, von denen er bisher nicht einmal zu träumen gewagt hatte, scheinen plötzlich in greifbare Nähe gerückt: eine kirchliche Trauung mit Juana, eine neue Harpune, eine gute Schulbildung für seinen Sohn Coyotito – eine sorgenfreie Zukunft. Doch die wunderschöne und außergewöhnliche Perle weckt die niederen Instinkte der Menschen und so besiegelt der schimmernde Schatz das grausame Schicksal des Fischers und seiner Familie.

John Steinbeck beschreibt in seiner berühmten Erzählung, ›Die Perle‹, auf nur knapp hundert Seiten ein ganzes Spektrum menschlicher Gefühle. Poetisch und dennoch knapp und prägnant erzählt er davon, was Glück wirklich bedeutet und in welchen Facetten es sich zeigen kann.

Schon während meines Anglistikstudiums hat mich dieser Text des amerikanischen Schriftstellers besonders beeindruckt, da er ein Gleichnis enthält, das auch in der heutigen Zeit noch gültig ist. John Steinbeck, der große Geschichten scheinbar beiläufig und mühelos erzählt, beschäftigt sich gern mit einfachen Menschen und scheinbar schlichten Themen. Aber seine Texte gehen über das Offensichtliche hinaus, sie behandeln die großen und wichtigen Themen des Lebens: Glück, Schicksal, menschliche Schwächen, Freundschaft und Liebe. Diese Vielschichtigkeit fasziniert mich an seinen Romanen und Erzählungen immer wieder. ›Die Perle‹ ist eine seiner traurigsten und zugleich schönsten Geschichten.

Esther Böminghaus, dtv Lektorat Literatur

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