Joseph Kiermeier-Debre: Goethes Frauen

Eine Empfehlung von Maria Schedl-Jokl, dtv Lektorat Klassik

Dass Goethe, der weltweit berühmteste Dichter der Deutschen, der holden Weiblichkeit keineswegs abhold war, ist allseits bekannt. Und sprichwörtlich geworden ist der Schlussvers von ›Faust II‹, auch wenn diesen Teil nur die wenigsten gelesen haben: »Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.«

Nicht nur für Goethe-Fans ist es spannend, einmal im zeitlichen Ablauf jene Frauen kennenzulernen, die den Frankfurter Bürgersohn, den Rechtsanwalt und nachmaligen Weimarer Staatsmann und Dichterfürsten in seinem Leben begleitet und ihn geprägt haben. Die Originalität von ›Goethes Frauen‹ aber besteht vor allem darin, dass der Autor Joseph Kiermeier-Debre diesen realen Damen die weiblichen Hauptfiguren seiner Dichtung zur Seite stellt.

Erst in dieser Zusammenschau wurde mir deutlich, dass Goethe dort seine Mütter, Schwestern und Ehefrauen, seine verliebten Mädchen und keuschen Fürstinnen, seine braven Töchter und bösen Intrigantinnen mitten aus seinem Leben gegriffen hat. Mal sind die Vorbilder sehr durchscheinend, dann wieder sehr verschlüsselt, und selbst Goethe-Kenner können sicher reizvolle Entdeckungen machen.

Apropos Bilder: Die gesamte Damenwelt wird auch mit Zeichnungen und Kupferstichen anschaulich gemacht. So modisch fremdartig uns diese Frauen aus dem 18. und 19. Jahrhundert mitunter anmuten, verrät ein Blick in die Gesichter doch auch, warum Goethe sie verehrte oder liebte und sie in seinen Werken »verdichtete«.

Fernab aller Denkmäler und ohne schulische Zwänge kann man in ›Goethes Frauen‹ endlich einmal dem Mann und Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) begegnen. Es ist diese ungewöhnliche Perspektive, die mich fasziniert hat und die gewiss auch viele andere Leser begeistern wird.

Maria Schedl-Jokl, dtv Lektorat Klassik

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