Joyce Carol Oates: Foxfire

Empfehlung von Gabriele Leja-Zimmermann, dtv Lektorat Reihe Hanser

In flammender Schrift sind eines Tages auf Hauswänden Parolen zu lesen wie: »Foxfire kennt keine Reue« oder »Die Flamme von Foxfire verlöscht nie«.  Ein Schülerstreich, so scheint es. Doch dann verschafft sich ›Foxfire‹ Respekt. Und seine Opfer sind immer Männer.

Hinter ›Foxfire‹ stecken vierzehn-, fünfzehnjährige Mädchen, die es satthaben, immer auf der Verliererseite zu stehen. Sie verstehen sich als Blutsschwesternschaft, in der sie Freundschaft, Liebe und ein Zuhause finden.
Chronistin der Ereignisse jener Jahre ist Madeleine Faith Wirtz (»Maddy«). Jahrzehnte später holt sie ihre Aufzeichnungen noch einmal hervor und fasst die alte Chronik mit neuen Erkenntnissen und Reflexionen zusammen.

Legs (Margaret) Sadovsky ist Initiatorin, Kopf und Herz der ›Firefox‹-Gruppe. Am Neujahrstag 1953 schwören fünf Mädchen einen feierlichen Eid, einander immer beizustehen, und besiegeln dies, indem sie sich in einem wilden Initiationsritus gegenseitig mit dem Zeichen der Flamme tätowieren.

Vor Gründung der Gang haben die Mädchen die Lebens- und Machtverhältnisse hingenommen. Legs öffnet ihnen die Augen für die Ungerechtigkeit und Brutalität einer zu dieser Zeit und in dieser Umgebung noch extrem männerdominierten Welt, der sie ausgesetzt sind, und motiviert sie dazu zurückzuschlagen.

Als Legs, um ein Mitglied der Gruppe gegenüber Mitgliedern einer männlichen Gang zu verteidigen, auf dem Schulgelände ein Messer zückt, muss sie in eine »Besserungsanstalt«, die es jedoch nicht schafft, Legs zu brechen. Ganz im Gegenteil, nach ihrer Entlassung mietet sie ein abgelegenes, heruntergekommenes Haus, in das die Mädchen einziehen. Die Gruppe bietet immer wieder jungen Frauen Schutz, die von Vätern, Brüdern, Ehemännern bedroht werden, und schafft so einen frühen Vorläufer der heutigen Frauenhäuser.

Der Charakter der Aktionen verändert sich grundsätzlich, als die finanzielle Lage sich dramatisch verschlechtert. Das Haus verlangt Investitionen, nicht alle Mädchen arbeiten, manche gehen noch zur Schule. Legs kommt auf die Idee, die leichte Verführbarkeit von Männern als Einkommensquelle zu nutzen. Einzelne Mädchen werden als Lockvögel eingesetzt, doch sobald die Situation eindeutig wird, geben sie sich als minderjährig zu erkennen, um so die Männer um größere Summen zu erpressen.

Das endgültige Drama beginnt, als Legs anfängt, von dem ganz großen Geschäft zu träumen. Ein einziges Mal nur will sie einen großen Coup starten – sie will einen reichen Mann entführen und für seine Freilassung eine Million Dollar fordern. Dem Mann darf dabei nichts geschehen, das steht für sie fest. Doch die Aktion endet in einer Katastrophe. Legs hat ihre eigenen Möglichkeiten, sämtliche Fäden in der Hand zu behalten, überschätzt.

Joyce Carol Oates ordnet ihren Roman ›Foxfire‹ in einem Interview mit der New York Times literarisch ein als »a kind of dialectic between romance and realism«. Und genau das macht die Faszination der Lektüre aus. Atemlos wie einen Thriller liest man diesen Entwicklungsroman, der den Leser jeden Alters gleichermaßen mit poetischen wie schonungslosen Bilder und Szenen fesselt.

Empfehlung von Gabriele Leja-Zimmermann, dtv Lektorat Reihe Hanser

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