Karl August Tavaststjerna: Harte Zeiten

Eine Empfehlung von Eva-Maria Prokop, dtv Lektorat Klassik

Karl August Tavaststjerna: Harte Zeiten

Karl August Tavaststjernas Roman ›Harte Zeiten‹ ist eines der bedeutendsten Werke des skandinavischen Realismus und erzählt eine Geschichte, die unter die Haut geht.

Es ist das Jahr 1867, als ein nicht enden wollender Winter dafür sorgt, dass selbst im Juni, kurz vor dem Mittsommerfest, im Süden Finnlands noch immer Bodenfrost herrscht. Die Saat konnte noch nicht einmal keimen zu einer Zeit, in der normalerweise bereits die Ernte bevorsteht. Die Menschen stehen der Natur machtlos und ohnmächtig gegenüber. Kalle Pihl ist einer von vielen, die sich auf der Suche nach Arbeit aus dem Norden, wo noch schlimmere Zustände herrschen, in den Süden aufgemacht haben. Als sich ihm dort die Gelegenheit bietet, sich eine Existenz aufzubauen, tut er dies egoistisch und skrupellos, ohne Rücksicht auf Verluste.

Kunstvoll und mit sich steigernder Dramatik zeichnet der Karl August Tavaststjerna in ›Harte Zeiten‹ ein Bild der erschreckenden sozialen Gegensätze: während die Armen in diesen »harten Zeiten« ums Überleben kämpfen – die Missernte führt zu einer großen Hungersnot –, gibt sich die Oberschicht wie gewohnt ihrem Luxus hin. Der Autor beschreibt die Ausnahmesituation der finnischen Hungerjahre so plastisch und eindringlich, dass man sie beim Lesen fast spüren kann – besonders, als sich vor diesem Hintergrund ein menschliches Drama abspielt, das grausamer nicht sein könnte.

Wer mal wieder einen ›richtigen‹ Klassiker lesen möchte, dem sei Karl August Tavaststjernas 1891 erschienener Roman ans Herz gelegt – und das Nachwort des Übersetzers Klaus-Jürgen Liedtke, das interessante Hintergrundinformationen gibt: als ›Hårda tider‹ erschien, war Finnland noch keine eigenständige Nation, sondern ein autonomes Großfürstentum im russischen Zarenreich. Und der Autor, dessen Name so wenig finnisch klingt, gehörte der Minderheit der Finnlandschweden an.

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