Terminifera

Buchempfehlung von Katrin Schuster

Als mir der Name Michael Stavarič das erste Mal in einer Verlagsvorschau begegnete, ließ mich das ziemlich kalt: In der Beschreibung seines Debutromans  ›stillborn‹  war von einer Immobilienmaklerin, einer Serie von Brandstiftungen und der Liebe des ermittelnden Kommissars die Rede. Klang nach Lifestyle-Krimi – und also nicht nach einem Buch für mich.

 Ich wurde natürlich eines Besseren belehrt: Mit Inhaltsangaben ist man den Büchern des 1972 im tschechischen Brno geborenen, längst in Wien lebenden Autors keinesfalls beizukommen. Über ›Terminifera‹, seinen Zweitling, ließe sich dann nämlich nur sagen, dass es von einem Krankenpfleger und dessen nicht gerade einfachem Aufwachsen in einem Kinderheim handelt. Und das ist nicht einmal die halbe Wahrheit über dieses Buch.

 Denn ›Terminifera‹ ist ein grell groteskes Mosaik der Popkultur: Die Hauptfigur Lois nennt sich mit Nachnamen Lane, ganz wie die Gehilfin von Superman. Seltsame Gestalten bevölkern sein Leben, darunter nicht nur die titelgebende Heuschrecke, sondern auch allerlei andere Monster des Alltags. Mr. Spock zum Beispiel schaut regelmäßig mit seinen guten Ratschlägen vorbei. Nur zu gut erkennt Lois, dass da etwas im Argen liegen muss, »ehrlich, in meinen Träumen, da stimmt was nicht, von Grund auf. Da ist ein Gefühl von Vanille, aber es gibt überall nur Erdbeereis. Das hat doch was zu bedeuten.«

 Dass die beiden Frauen, die sich um Lois bemühen, ihn auch alphabetisch in die Zange nehmen – sie heißen Kristina Kristen und Mona Moore – ist nur der letztfällige Beweis, dass Michael Stavarič vor allem um des Schreibens willen schreibt. Was ganz großartig zu lesen ist, weil er durch sein närrisches Assoziieren die Autorität der Sprache gründlich unterläuft – während er sich ihrer gleichzeitig so frech wie freimütig bedient.

Katrin Schuster, Literaturkritikerin

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