Mark O’Sullivan: Jimmy, Jimmy

Eine Empfehlung von Julia Malik, Lektorat dtv Reihe Hanser

Er ist ein toller Vater. Für die sechzehnjährige Eala und den siebzehnjährigen Sean ist er fast sogar mehr ein Freund als ein Vater. Er kann zuhören, nimmt sie ernst, ist witzig, manchmal fast jungenhaft, und überhaupt ist er ziemlich cool, dieser Dad, der beruflich als freier Kinderbuchillustrator arbeitet und einen Spleen für Real Madrid und Zinédine Zidane hat.

Jimmy JimmyUnd plötzlich ändert ein Tag alles: Jimmy, der Vater, wird beim Joggen von einem Halbwüchsigen, der mit dem Fahrrad den Gehweg entlangrast, mit aller Wucht getroffen und zu Fall gebracht. Mit dem Kopf schlägt er auf die Bordsteinkante, seine Schädeldecke bricht, und schwer verletzt bringt man den Familienvater ins Krankenhaus. Die Prognosen sind nicht gut. Ealas Vater wird nach einem Schädel-Hirn-Trauma für immer geistig eingeschränkt sein.

Dies ist die Vorgeschichte im Roman ›Jimmy, Jimmy. Die Geschichte, wie mein Dad wieder 10 Jahre alt wurde‹ von Mark O’Sullivan. Die Handlung setzt ein mit Jimmys Rückkehr in die Familie nach Monaten des Aufenthalts im Krankenhaus und in der Reha.

Aber wie spricht man mit einem Vater, der sich wie ein Kind verhält? Der nicht mehr Vater und Vorbild ist, sondern selbst schutzbedürftig? Wie macht man ihm eine Freude? Was macht man mit den eigenen Unsicherheiten? Und was mit der immensen Sehnsucht nach dem alten Dad? Dem alten Ehemann?

Mark O’Sullivan beschreibt in ›Jimmy, Jimmy‹ einfühlsam den steinigen Weg einer jungen Familie zurück ins Leben und zur Normalität, nachdem ein Schicksalsschlag allen den Boden unter den Füßen nahm. Er erzählt von Abstürzen und Rückschlägen auf diesem Weg, aber auch von neuen Freundschaften und der Kraft, sich das eigene Glück zurückzuerobern. Die Lektüre von ›Jimmy, Jimmy‹ lässt den Leser nicht kalt, sie ist aufwühlend und manchmal auch fordernd. Sich Jimmys Unfall und seine Folgen vor Augen zu führen, ist schmerzhaft, und dennoch lebt dieses Buch vor allem von Alternativen und wird angetrieben von Hoffnung. In Irland wurde es für seine Vielschichtigkeit mit dem Ireland Book of the Year Award ausgezeichnet. Gerade in Deutschland erschienen, wartet es hier auf seine Entdeckung.

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