Markus Beckedahl/ Falk Lüke: Die digitale Gesellschaft

Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage

Was passiert, wenn Wissen allgemein zugänglich und für jeden verfügbar ist? Welche Folgen hat die Digitalisierung der Arbeitswelt? Nach welchen Regeln sollen Daten gesammelt werden?

Statistiken zufolge nutzen heutzutage etwa vier Fünftel aller Deutschen das Internet. Das Digitale ist längst fester Bestanteil unseres Alltags geworden, wir befinden uns in einem stetig voranschreitenden Prozess, der bereits tief in unser Leben eingegriffen hat, und es auch in Zukunft nachhaltig verändern wird. Dabei muss man keineswegs ein intensiver Nutzer von Google, Youtube oder Facebook sein, um die Auswirkungen davon zu spüren. Denn dieser Prozess ist nicht nur unaufhaltsam, sondern er betrifft auch jede(n) Einzelne(n) von uns. Die digitale Gesellschaft der Zukunft geht uns alle an.

Es ist an der Zeit, sich die Frage zu stellen, wie eine solche Gesellschaft eigentlich aussehen soll, meinen auch Markus Beckedahl und Falk Lüke. Und wer ihr Buch ›Die digitale Gesellschaft‹ liest, der erhält eine Vorstellung über die digitale Zukunft und die Fragen, welche es in diesem Zusammenhang zu beantworten gilt.

Es ist ein Buch über falsche und richtige Netzpolitik, über Chancen und Risiken, und über Wege, wie man angesichts konkurrierender Interessen zu konstruktiven Lösungen gelangen kann. Für Markus Beckedahl und Falk Lüke ist klar: Die Veränderungen lassen sich nicht mehr aufhalten. Nun kommt es darauf an, diese aktiv zu gestalten.
Längst nicht alle Akteure haben dieses Bewusstsein verinnerlicht. So zeigen Diskussionen über sogenannte Killerspiele oder Ursula von der Leyens »Stoppschild-Initiative«, dass das Internet von Politikern in erster Linie nicht als Chance, sondern als Gefahr und Bedrohung gesehen wird. Entsprechend reflexhaft, einseitig und populistisch werden Debatten häufig geführt. Doch ist dieser Umstand nicht allein auf politisches Kalkül, sondern vor allem auf Unkenntnis und mangelnde Kompetenz seitens der politischen Entscheidungsträger zurückzuführen. So sind auch Initiativen wie Onlinedurchsuchung und Vorratsdatenspeicherung Ergebnisse einer verfehlten Internetpolitik, welche sich über die Bedürfnisse der digitalen Bürgerschaft hinwegsetzt.
Die jüngsten Erfolge der Piratenpartei können als logische Konsequenz daraus gesehen werden. Schließlich sei, wie Markus Beckedahl und Falk Lüke meinen, das Netz zu wichtig geworden, um es den Ahnungslosen unter den Politikern zu überlassen.

Auch im Bereich der Wirtschaft verweigert man sich zum Teil noch konsequent der digitalen Gesellschaft, wie am Beispiel der Musikindustrie gezeigt wird. Lange Zeit ignorierte man dort schlichtweg die Internet-Gemeinde und versuchte stattdessen mit aller Macht, technisch und juristisch die Weitergabe von Musik zu verhindern. Erst als sie durch einen Vorstoß des Apple-Konzerns quasi dazu gezwungen wurden, gaben die Plattenfirmen nach, stellten Musiktitel zum Download ins Netz und mussten, um wirtschaftlich konkurrieren zu können, den Kopierschutz der Dateien aufgeben. Und siehe da: Die rasant steigende Zahl der legalen Downloads (allein bei den bezahlten digitalen Downloads im Bereich Musik war von 2009 bis 2010 ein Anstieg um 30 Prozent zu verzeichnen) zeigte, dass die Nutzer durchaus bereit sind, für Werke zu bezahlen, wenn ihren Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Doch man scheint in den Chefetagen der Plattenfirmen offenbar wenig aus der Vergangenheit gelernt zu haben und setzt anstatt einer nutzerfreundlichen Politik lieber weiterhin auf restriktive Maßnahmen.

Markus Beckedahl und Falk Lüke beschränken sich allerdings bei Weitem nicht darauf, anhand von Fallbeispielen die Defizite im Umgang mit der digitalen Gesellschaft aufzuzeigen. Sie beschäftigen sich auch mit den Fragen, denen wir uns in Zukunft gegenübersehen werden. Was passiert beispielsweise, wenn das, was wir als Wissen bezeichnen, allgemein zugänglich und für jeden verfügbar ist? Welche Folgen hat die Digitalisierung der Arbeitswelt? Wie und nach welchen Regeln sollen in Zukunft Daten gesammelt werden? Wem gehören diese Daten und wer darf sie verarbeiten und nutzen? Sollten wir die digitale Erfassung der Welt wirklich privaten Unternehmen wie Google überlassen, die für heute kostenlose Dienste vielleicht morgen schon Geld von uns verlangen?

Markus Beckedahl und Falk Lüke liefern mit ›Die digitale Gesellschaft‹ einen kenntnisreichen und dennoch leicht zugänglichen Überblick über eine aktuelle Debatte, zu der sie gleichzeitig auch einen konstruktiven und zukunftsweisenden Beitrag leisten. »Es kommt darauf an,« so die Autoren, »zu erkennen, dass die Zukunft nur schön wird, wenn wir sie aktiv gestalten.« Dies erfordert eine Diskussion, an der sich jeder beteiligen sollte. Den Lesern dieses Buches wird dies nicht mehr schwerfallen.

Eine Empfehlung von Dominik Schuster, Praktikant im dtv Lektorat Sachbuch

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.