Martin Schäuble: Black Box Dschihad

Eine Empfehlung von Julia Malik, Lektorat dtv Reihe Hanser

Ein junger Mann aus einer deutschen Kleinstadt und ein palästinensischer Jugendlicher wurden zu islamistischen Terroristen. Warum? Der Autor Martin Schäuble versucht es in ›Black Box Dschihad‹ zu erklären.

Martin Schäuble: Black Box DschihadWarum wird ein Mensch zum Selbstmordattentäter? Wie wird ein junger Deutscher zum islamistischen Fanatiker? Der Politologe, Nahost-Experte und Sozialforscher Martin Schäuble ist auf Spurensuche gegangen. In seinem Buch ›Black Box Dschihad‹ zeichnet er die Leben zweier junger Männer nach, die er akribisch untersucht hat. Es sind die Leben von Daniel und Sa`ed. Der eine, geboren in Deutschland und aufgewachsen im Wohlstand, der andere ein Kind des israelisch-palästinensischen Konflikts, großgeworden in einem Krisengebiet, dem Westjordanland. Auf den ersten Blick könnten ihre Lebenswege nicht unterschiedlicher sein, und doch haben sie eine Gemeinsamkeit: ihren Kampf im Dschihad, im sogenannten »Heiligen Krieg«.

Was hat beide dazu veranlasst, sich dem religiösen Extremismus anzuschließen? Welche Erlebnisse, welche Begegnungen und Brüche in ihren Leben waren ausschlaggebend für ihre Radikalisierung, die im Falle Daniels in einem geplanten Attentat in Deutschland gipfelte (mit anschließender Festnahme)? Und bei Sa´ed in einem Sprengstoffanschlag in Jerusalem, bei dem er sich und sieben unbeteiligte Menschen in den Tod riss?

Martin Schäuble hütet sich vor einfachen Erklärungen. Warum ein Mensch zum Dschihadisten wird, darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Stattdessen betrachtet der Autor das Einzelschicksal. Monatelang hat er im Saarland gelebt, der Heimat Daniels, des »Sauerland-Bombers«, wie ihn die Medien später nannten, und in Nablus, der Heimat Sa`eds. Er hat mit ehemaligen Freunden, Kollegen und Familienangehörigen gesprochen. Entstanden sind zwei Porträts, die, minutiös recherchiert, detailgenau gezeichnet werden. War es bei Daniel der fehlende Halt, die Suche nach Autoritäten, waren es die falschen Freunde zur falschen Zeit, die ihn seinen Weg einschlagen ließen? War es bei Sa`ed der Tod des Freundes durch israelische Soldaten? Oder der Trost und die Stärke, die er in der Religion suchte? War es die Wut auf die Besatzer und die ständige Angst während der Zweiten Intifada?

Wer ›Black Box Dschihad‹ liest, wird sich selbst Antworten geben müssen. Verallgemeinerungen funktionieren nicht, und zugleich stellen sich immer neue Fragen. Und dennoch gewinnt man durch die Lektüre einen Einblick ins Innere des Geschehens, erhellt sich ein wenig die Black Box, als die vielen islamistischer Terror erscheint. Dabei schreibt Schäuble fesselnd und präzise und macht den Leser am Ende vor allem eines: nachdenklich.

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