Mascha Kaléko: Sämtliche Werke und Briefe

Eine Empfehlung von Eva Prokop, dtv Lektorat Klassik

»Heb’s auf, in 20 Jahren ist das ›kulturhistorisches Material‹ für MK-Forscher. Gibt’s dann auch, gewiss! Aber uns? – – kaum.«
Mascha Kaléko an ihre Agentin Ruth Liepman am 1.12.1967 

Sommer 2007. Am 7. Juni jährte sich der Geburtstag der Lyrikerin Mascha Kaléko zum 100. Mal. Aus diesem Anlass waren bei dtv eine Biografie und ein Gedichtband mit 100 ausgewählten Gedichten erschienen.

Eines heißen Nachmittags in diesem Sommer reifte die Idee, die Autorin mit einer Gesamtausgabe zu ehren, ein knappes Jahr später wurde der Entschluss gefasst. Damals waren zwei Bände geplant, ein Band Werke, ein Band Briefe, jeweils mit Kommentar im Band.

Gisela Zoch-Westphal, Freundin und Nachlassverwalterin von Mascha Kaléko, war im Auftrag der Dichterin im Sommer 1975 nach Jerusalem gereist, um ihren schriftlichen Nachlass nach Zürich zu holen. Einige Jahre später gab sie alle Unterlagen an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach, wo diese nun in vielen grünen Kisten lagern.

Im Sommer 2008 verbrachte ich zwei Mal eine Woche im Archiv, um alle Briefe der Dichterin zu sichten, kopieren zu lassen und zu transkribieren. Viele Stunden saß ich mit der Herausgeberin und einer Kollegin vor Notiz- und Adressbüchern, handschriftlichen und maschinenschriftlichen Briefen und Fotos.

Vier Jahre später ist es nun so weit: die erste kommentierte Gesamtausgabe der Werke und Briefe Mascha Kalékos ist auf dem Markt. Vier Jahre, in denen eine vierbändige Edition entstand, über vier Kilo schwer mit über viertausend Seiten.
Denn neben dem Nachlass in Marbach fanden sich Briefe in aller Welt, sowohl in Archiven als auch bei Privatpersonen. Herausgeberin Jutta Rosenkranz durchforstete Zeitungsarchive in Berlin und fand so verlorengegangene Zeitungsgedichte aus der Anfangszeit in Berlin sowie Werbetexte, mit denen die Dichterin ihren Lebensunterhalt verdiente. Währenddessen saß ich in München über der Korrektur des Briefkonvoluts, das immer größer zu werden schien, und versuchte, Regeln aufzustellen, um die Korrespondenz der Dichterin mit minimalen Eingriffen leserfreundlich zu machen.

Im Oktober ist die Edition endlich in zwei Ausgabearten erschienen: als broschierte Studienausgabe sowie als hochwertige Leinenausgabe. Mit beiden können Sie sicher nicht nur bei Kaléko-Fans unter dem Weihnachtsbaum punkten: erstmals sind alle Werke der Autorin, darunter auch bisher unbekannte sowie Aphorismen und Notizen, in einem Band versammelt. Ein Wunsch von Mascha Kaléko, der ihr zu Lebzeiten niemals erfüllt wurde. Band II und III der Edition enthalten chronologisch die Briefe der Dichterin von 1932 bis 1975. Und diese Briefe sind etwas ganz Besonderes: sie sind eine Kostbarkeit, weil man die Dichterin Mascha Kaléko ganz ungefiltert in allen ihren Rollen kennenlernt, als Autorin und Schriftstellerkollegin, als Ehefrau, Mutter und Freundin. Aber sie sind auch eine Fundgrube und ein bedeutendes Zeitdokument des geschichtlich bewegten 20. Jahrhunderts. Band IV schließt die Ausgabe mit einem umfangreichen, gut lesbaren Kommentar von Jutta Rosenkranz ab, in dem sich neben Fakten wie Entstehungsdaten, Vertonungen und Anmerkungen auch nette Anekdoten und interessante Gegenbriefe finden.

Eine Bereicherung der drei Textbände sind die vierfarbigen Bildteile mit Fotos, Briefen und Handschriften der Autorin, vieles davon bisher unveröffentlicht aus Privatbesitz.

Vielleicht hat Ihnen das Lust gemacht, die Ausgabe zu verschenken, oder auch selbst darin zu stöbern. Ich kann Ihnen versprechen, es lohnt sich!

Eine Empfehlung von Eva Prokop, dtv Lektorat Klassik

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