Michael Hampe: Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück

Immer, wenn ich einen literarischen Fund gemacht habe, erzähle ich meinen Freunden davon, um auch sie zu motivieren, das Buch zu lesen. Normalerweise ist das ganz einfach. Da sage ich dann: »Ein tolles Buch … Es geht um dies und jenes … Der Autor macht das sehr kunstvoll, indem er … Die Sprache ist soundso …« Normalerweise. Bei diesem Buch fiel es mir gar nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden, als ich auf der Straße einen Freund traf.

Ich sagte: »Gerade habe ich ein ganz außergewöhnliches Buch gelesen: ›Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück‹ – geschrieben von dem Zürcher Philosophieprofessor Michael Hampe. Ein tolles Buch!«
Schon wieder eines von diesen »Ich-sag‘-Dir-was-Glück-ist«-Büchern?

»Ja.«

So ein seichter Ratgeber voll mit Lebensweisheiten?

»Nein.«

Dann wohl ein philosophisches Traktat mit einem dunklen Wald aus Fachchinesisch und einem undurchdringlichen Dickicht von Schlangensätzen, wo ich schon Probleme habe, überhaupt den jeweiligen Hauptsatz zu finden?

»Nein.«

Aber wenn es all das nicht ist, was genau ist es dann?

»Gute Frage … Gar nicht so einfach zu beantworten … Vielleicht versuchen wir es anders: Kannst Du Dir ein Buch vorstellen, das sich liest wie eine Mischung aus Hermann Hesse und Friedrich Nietzsche?«

Wie soll das denn gehen?

»›Das vollkommene Leben‹ ist einerseits ein kleiner unterhaltsamer Roman und andererseits ein philosophischer Traktat und bei aller Nachdenklichkeit und Tiefe sehr gut lesbar.«

Und wie schafft dieser Michael Hampe das? Ich meine: Normalerweise schwallern Philosophen doch so langweilig vor sich hin – gerade Uni-Professoren …

»Er macht das genauso geschickt wie spannend: Das Buch fängt an mit der Geschichte der Hauptfigur, des Universitäts-Philosophen Stanley Low, der zunächst recht glücklich als Philosoph an der Uni sein Geld verdient, diese Karriere dann aber nach einem schweren Schicksalsschlag aufgeben muss, in einem unliebsamen Job landet und schließlich in einen »vorzeitigen Ruhestand« versetzt wird. Gleichzeitig geht auch noch sein Privatleben in die Brüche. Also die reinste Misere! Mehrere Jahre später findet er – durch Zufall – die Einsendungen zu einem Preisausschreiben seiner philosophischen Akademie wieder. Aufgrund diverser Missgeschicke war der Preis nie verlost worden und die Briefe waren liegen geblieben. Thema des Preisausschreibens: ›Ist ein vollkommenes Leben möglich? Und wenn ja: Wie kann man das Glück finden?‹ Er findet diese Briefe also wieder, fühlt sich in seiner unglücklichen Lebenssituation von diesem Thema natürlich direkt angesprochen und fängt an zu lesen …«

Ach und dann packt der Hampe seine eigene Philosophie in das Gewand der Teilnehmer an diesem Preisausschreiben?

»Ja und nein. Denn er bietet gleich vier verschiedene Ansätze zur Lösung der Frage nach dem Glück an und lässt diese dann in ihrer Vielstimmigkeit stehen. Immerhin ist diese Vielstimmigkeit an sich offenbar schon ein philosophischer Ansatz, der Michael Hampe sehr wichtig ist.«

Und warum hat er das Ganze in eine fiktive Geschichte eingebettet? Ist das nicht unphilosophisch?

»Nein, überhaupt nicht! Das haben ja vor ihm schon viele andere Philosophen gemacht, z.B. Platon, Voltaire, Kierkegaard oder – in der Gegenwart – auch Peter Bieri, alias Pascal Mercier. Mir persönlich ist diese Art und Weise des philosophischen Schreibens auch oft lieber als so eine typisch trockene Abhandlung … Was gibt es besseres, als ein Buch, mit dem man sich einerseits gut unterhalten fühlt und von dem man andererseits jede Menge lernt, während man darüber hinaus auch noch Anregungen zum Selber- und Weiterdenken bekommt?!!«

Na, da bin ich jetzt aber neugierig geworden! Das klingt ja in der Tat sehr spannend!

Womit er Recht hat. Daher mein Tipp auch an jeden anderen: Michael Hampe lesen und dem ›vollkommenen Leben‹ näher kommen!

Fabian Kroll, Praktikant dtv Lektorat Sachbuch

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