Monica M. Vaughan: Die Spione von Myers Holt – Eine gefährliche Gabe

Eine Empfehlung von Sabine Roth, Lektorat dtv junior

Mein elfjähriger Neffe liest nicht gern. Leider. Bisher sind alle Versuche, ihn zum Lesen zu bewegen, fehlgeschlagen. Denn er ist wählerisch. Ein Kinderbuch für Zehnjährige würde er nicht einmal mit der Kneifzange anfassen … Und alles, was nicht Harry Potter ist, auch nicht. Mit gemischten Gefühlen mache ich mich daher auf den Weg zu seiner Geburtstagfeier. Im Gepäck ›Die Spione von Myers Holt – Eine gefährliche Gabe‹ von Monica M. Vaughan. Ein Buch als Geschenk also, was sonst.

Spione von Myers HoltUmringt von neugierigen Verwandten überreiche ich ihm  mein Geschenk. Er ist skeptisch. Das Päckchen hat die Form eines Buches. Als er es auspackt, wird seine Vermutung zur grausamen Gewissheit, das kann man ganz gut an seinem Gesicht ablesen.  Aber dann kommt die erste Überraschung. Das Cover gefällt ihm. Er liest tatsächlich den Rückseitentext des Buches. Die zweite Überraschung. Myers Holt Academy … Internat für Nachwuchsspione mit besonderen Fähigkeiten … Gedanken lesen … in das Bewusstsein anderer Menschen eindringen … Okay, das scheint ihm auch zu gefallen, puhh. Er bedankt sich artig bei mir für das Geschenk.

Ein paar Stunden später, wir haben gerade Kaffee und Kuchen weggeräumt, bemerken wir plötzlich, dass das Geburtstagskind verschwunden ist. Und das ist die dritte und größte Überraschung des Tages: Er hockt auf seinem Sitzsack und gibt keinen Ton von sich (was sehr ungewöhnlich für ihn ist), denn er liest. Er ist völlig vertieft in die Lektüre der ›Spione von Myers Holt‹.

Zum Abschied taucht er dann doch noch einmal auf. Er gibt mir die Hand (das macht er eigentlich auch nicht so gern), schaut mich an und fragt: »Wann erscheint denn der zweite Band? Kannst du mir den auch mitbringen?«

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