Nikolaus Breuel: Schlossplatz, Berlin

Eine Empfehlung von Günther Opitz, dtv Lektorat Literatur

Nikolaus Breuel: Schlossplatz, Berlin
Am Anfang strandet jemand. Ein Politiker aus Berlin. Der Motor des  Bootes, das ihn auf eine Hallig in der Nordsee bringen soll, setzt aus – und unser Held muss auf der Hallig eine Pause vom Berliner Leben machen. Bald ist klar, dass diese ihm und uns Lesern gut tut: blickt der Abgeordnete doch nun mit neuen Augen auf die Politik in der Hauptstadt.

Und was ist da gerade los? Zypern braucht Geld, Griechenland natürlich ebenso und täglich steigt die Zahl der Euros, die irgendwohin überwiesen werden sollen und über die auch er mit abstimmen muss. Versteht das überhaupt noch irgendjemand? Und was ist eigentlich mit der Badelandschaft, die sein von ihm bewunderter Kollege Rödel auf dem Schlossplatz in Berlin errichten will? War nicht Rödel sowieso irgendwann verrückt geworden? Und war es nicht auch allzu verrückt, mitten in Berlin, mitten in der Republik ein riesiges Spaßbad zu bauen?

Selten wird in der deutschen Literatur über Politik geschrieben, noch seltener über aktuelle Politik. Als Manager in Berlin hat Nikolaus Breuel einen tiefgreifenden Einblick in den Alltag des politischen Lebens gewonnen. In seinem Roman spürt man viel von dieser Erfahrung.

Sein Held will es richtig machen, ist sehr engagiert, will Dinge verändern. Doch wie soll das gehen? Wenn über milliardenschwere Finanzhilfen für andere Staaten mitten in der Nacht entschieden wird und selbst die Sitzungsteilnehmer schlafen? Wenn im Aufsichtsrat zur gigantischen Badelandschaft auch keiner weiß, warum das Wasser erst fehlt, dann aber eine Flutwelle alles überschwemmt. Der Bau stoppt, die Berater schwadronieren und an eine Eröffnung ist gar nicht mehr zu denken.

Herrlich wie Nikolaus Breuel von den absurden Seiten im Leben eines Abgeordneten erzählt, wie er Mechanismen, Zwänge und Eitelkeiten in ebenso amüsante wie ernsthafte Szenen kleidet, wie er Personen charakterisiert.

›Schlossplatz, Berlin‹ ist nicht nur eine Satire, die mit viel Ironie den alltäglichen Wahnsinn in Berlin beschreibt, es ist ein Buch, das uns die Frage stellt, wie eine vernünftigere Politik aussehen könnte. Den Abgeordneten zieht es am Ende wieder zurück nach Berlin, ohne aber die Hallig wirklich ganz zu verlassen; er will wieder Verantwortung übernehmen, vielleicht auch, weil er sich neu verliebt hat, in die Politik, die windumtoste Hallig und, Ihnen sei es hier verraten, Kathrin Knudson.

›Schlossplatz, Berlin‹ erscheint als Hardcover und eBook:

Nikolaus Breuel
Schlossplatz, Berlin
Nikolaus Breuel
Schlossplatz, Berlin

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