Die Nacht des Kiebitz

Buchempfehlung von Patricia Reimann

»…der glänzende Roman einer womöglich gar glücklichen Ehe.« Literarische Welt, 14.11.09

Erinnern Sie sich an Philip Roths alternden Nathan Zuckerman, an John Updikes Harry „Rabbit“ Angstrom?  Joe Allston, Literaturagent im Ruhestand, wirkt wie ein gemütsverwandter, aber ungleicher älterer Bruder. Ein Unsentimentaler – wie Zuckerman und Angstrom -, hat er jedoch ein Leben lang die Sicherheit häuslicher und ehelicher Stabilität dem Sturm möglicher Leidenschaft vorgezogen.  Auch jetzt setzt er dem aussichtslosen Unterfangen später erotischer Eskapaden die stoische Haltung des Beobachters entgegen. Sein desillusioniert-ironischer Blick auf Literatur- und Weltgeschehen treibt seine langjährige Ehefrau Ruth nicht selten zur Verzweiflung; ebenso wie Allstons Weigerung, seinen physischen Maläsen mit jenem Sportsgeist zu begegnen, mit dem er sich früheren Herausforderungen  zu stellen pflegte. Er ist ein Mann, „der die Zeit totschlägt, bevor die Zeit ihn tot schlägt.“  Ruth will ihn zum Schreiben animieren, doch Allston unternimmt stattdessen eine Reise in die Vergangenheit: Allabendlich liest er gemeinsam mit Ruth alte Tagebücher, die er vor zwanzig Jahren während einer Reise nach Dänemark schrieb. Die denkwürdigen, mitunter abstrusen Geschehnisse auf jener Reise bilden den dramatischen Kern dieses Romans und lesen sich wie ein Krimi, während das sich gleichzeitig entfaltende subtile Portrait der Ehe Allstons das Werk in eine Reihe stellt mit den großen Ehe-Romanen einer Paula Fox, eines Richard Yates oder eines James Salter. Stegners Ehen allerdings glücken – auf ihre Art.

Patricia Reimann, Programmleitung Literatur

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.