Personenschaden

Empfehlung von Günter Dombrowa, Lokführer

Schon Peter Probsts ersten Anton-Schwarz-Krimi ›Blinde Flecken‹ habe ich gern gelesen. Er spielte im deutschen rechtsradikalen Milieu und hat Zusammenhänge aufgedeckt, die mir ebenso bedrückend wir spannend erschienen sind.

Peter Probst: Personenschaden

Der Münchner Privatermittler Anton Schwarz ist ein sympathischer Typ mit unkonventionellem privatem Hintergrund, dessen Fällen man nur zu gern folgt. Ich war also gespannt, über welches Thema der Autor wohl seinen nächsten Krimi schreiben würde. Dass er sich dann ausgerechnet die Deutsche Bahn vorgenommen hat, hat mich als Lokführer gleich doppelt begeistert: Wann taucht dieses Milieu der Bahn, diese doch sehr spezielle Welt, die wir ja alle zu kennen glauben und über die die Mehrzahl der Deutschen bereit ist zu schimpfen, schon in Romanen auf?

Peter Probst läuft jedoch nicht in die Falle, populäres Bahn-Bashing zu betreiben, sondern er konzentriert sich auf ein weitaus dramatischeres Phänomen: Selbstmörder auf den Schienen. Während die Presse das Thema verschweigt (ein stillschweigendes Abkommen mit der Bahn aufgrund des Werther-Effekts), darf und sollte ein Buch-Autor das Recht haben, darüber zu schreiben. Wenn man bedenkt, dass jeder Lokführer in seiner Laufbahn statistisch (und leider auch in der Realität) 1,5 Selbstmördern begegnet, ist das nicht nur ein wichtiges Thema für »Betroffene« (damit sind die Angehörigen, aber auch die unschuldig »Schuldigen«, die Lokführer, gemeint), dies ist auch ein Thema für alle Nicht-Bahner, die sich für gesellschaftliche Zusammenhänge interessieren.

Aber kurz zur Geschichte: Es ist beeindruckend, wie glaubwürdig Peter Probst die Gefühle des Lokführers Engeler schildert, dem mysteriöserweise gleich zwei junge Männer binnen kürzester Zeit vor den Zug springen. Er ist dienstunfähig und fühlt sich plötzlich von Unbekannten verfolgt und bedroht. Es ist für ihn nicht leicht, seiner Familie und den Kollegen zu beweisen, dass es sich um reale Verfolger handelt – vielmehr fürchten seine Mitmenschen um seine psychische Gesundheit als Folge dieser schrecklichen Selbstmorde, an denen er sich schuldig fühlt.

Doch da kommt Anton Schwarz ins Spiel. Klaus Engeler heuert den sympathischen Münchner Privatdetektiv an, und der führt den Leser durch eine hochgradig spannende Geschichte über das Schicksal eines Lokführers, der zum Opfer eines perfiden Komplotts wird. Der Leser wird unter anderem entführt in eine seltsame Welt im Internet, ein Selbstmordforum, in dem sich lebensmüde Menschen austauschen. Sehr fremd, sehr erschütternd, sehr spannend.

Mehr verrate ich aber an dieser Stelle nicht – denn der Spannungsverlauf und das mehr als überraschende Ende sind Grund genug, sich auch diesen Krimi von Peter Probst zu Gemüte zu ziehen. Ein tolles Buch mit einem ungewöhnlichen, dramatischen und wichtigen Thema. Ich werde es nicht nur meinen Kollegen von der Bahn zur Lektüre empfehlen.

Günter Dombrowa, Lokführer

Hier geht’s zur Leseprobe von ›Personenschaden‹

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.