Philipp Meyer: Rost

Empfehlung von Patricia Reimann, dtv Lektorat Literatur

Seine Mutter ist seit fünf Jahren tot, aber Isaac denkt immer an sie.  Jetzt ist er zwanzig und will nur noch weg aus der Provinzstadt.

Wenn hier ein Kind Schläge kriegt, hat der Schlagende keine Schuld, es lag im Blut, es war die Schuld von irgendwem, lange vor ihm, Gott vielleicht. Aber selbst Gott hat diesen Ort längst verlassen. Seit der Schließung des Stahlwerkes läuft hier nichts mehr. Früher, da hing die Luft so voll Ruß, wenn Isaac aus der Schule kam »dass die Scheinwerfer der Autos eingeschaltet waren und die Straßenlaternen genauso, und das mittags. Manchmal konnte man unmöglich Wäsche draußen aufhängen, so dreckig kam sie nachher von der Leine runter«. Das waren die guten Zeiten, da hatten die Menschen noch Arbeit…

Isaac wohnt bei seinem Vater und träumt von der großen Welt. Am liebsten zusammen mit seinem besten Freund Billy Poe, von dem alle dachten, er würde mal ein großer Football-Spieler. Doch als die beiden sich zusammen aufmachen wollen, in eine bessere Zukunft, kommen sie nicht weit…

 Der amerikanische Traum vom machbaren Glück ist in den Augen Philipp Meyers eine Schimäre, ein Trugbild, eine Illusion. Eine vertraute Perspektive, durch Cormack McCarthy und andere. Meyers Ton jedoch ist ganz unvergleichlich. Er ist hart und dann wieder sanft, wuchtig, klar, darunter eine brodelnde Melancholie.  

Meyer schreibt über die Gewalt, deren Zerstörungskraft unausweichlich ist, und so gelingt ihm ein Meisterwerk über den inneren und äußeren Zerfall Amerikas. »Rost« ist aber auch ein wehmütiges Buch – über die Liebe zu seinem Land.

Empfehlung von Patricia Reimann, dtv Lektorat Literatur

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