Robert Pragst: Auf Bewährung

Mein Jahr als Staatsanwalt - Buchempfehlung von Nina Krause, Sachbuch-Lektorin

Staatsanwalt – das klingt nach aufregenden Ermittlungen, Zusammenarbeit mit der Polizei und spannenden Prozessen. All das gibt es natürlich, der Alltag besteht aber doch in erster Linie aus Aktenbergen. Wie Robert Pragst in ›Auf Bewährung‹ von den spektakulären Fällen, aber auch von den normalen Abläufen erzählt, ist äußerst unterhaltsam.

Wie alle angehenden Richter muss Robert Pragst im Rahmen seiner Ausbildung auch eine gewisse Zeit in der Staatsanwaltschaft arbeiten. Er kommt nach Berlin-Moabit, der größten Staatsanwaltschaft Deutschlands. In der Abteilung für die Buchstaben Ce bis Do (für Spezialdelikte gibt es Spezialabteilungen) sitzt er zusammen mit Anna, ebenfalls Proberichterin, in einem kleinen Zimmer und staunt erst mal über die Menge an dicken Akten, die täglich reinkommen und natürlich schnellstmöglich bearbeitet werden müssen. Denn wer als Staatsanwalt in der Abteilung mehr als 150 offene Verfahren hat, kommt in den »Problemkindergarten« des Abteilungsleiters, das möchte Pragst tunlichst vermeiden…

Seine erste Aufgabe morgens hat allerdings nicht mit den Akten zu tun: da macht er, zusammen mit Anna, den Kaffee für die Abteilung. In ihrem kleinen Zimmer steht die Kaffeemaschine, und nach und nach versammeln sich die Kollegen dort. Man ist quasi dabei, wenn Robert Pragst die Kaffeemaschine anwirft und die jungen Staatsanwälte den (altgedienten) Fachfragen stellen.

Durch das Buch zieht sich ein bestimmter Fall, ein Raubüberfall auf einen Tante-Emma-Laden, dessen Aufklärung und Verhandlung Pragst schildert. Viele weitere Fälle, die er mal kürzer, mal länger beschreibt, zeigen, mit welcher Bandbreite an Themen es die Staatsanwälte zu tun haben. Eher harmlose Vergehen kommen ebenso auf den Aktenberg wie Vergewaltigung oder Raubüberfall.

Robert Pragst gewährt uns in ›Auf Bewährung‹ einen sehr sympathischer Einblick in den wahren und anstrengenden Arbeitsalltag in der Staatsanwaltschaft, der mir beim Lesen viel Spaß gemacht hat und mir viele interessante Aspekte der Staatsanwaltschaft vor Augen geführt hat.

Nina Krause, dtv Lektorat Sachbuch

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