Robinson Crusoe

Buchempfehlung von Maria Schedl-Jokl

Ziemlich dreist, den fast dreihundert Jahre alten Roman über den berühmtesten Schiffbrüchigen der Weltliteratur zum Lesen zu empfehlen – könnten Sie jetzt denken. Welch ›olle Kamelle‹, denn wir kennen doch alle die Geschichte von Robinson,  und sei es aus den zahlreichen Verfilmungen. Und außerdem gibt es die Robinson Clubs. Viele wissen vielleicht auch noch, dass Robinson einen ›edlen Wilden‹ auf der Insel als seinen Diener sozialisiert und ihm den Namen Freitag gibt, weil er ihn an diesem Tag vor gegnerischen Kannibalen gerettet hat.

Der Mythos ‚Robinson’ ist allgegenwärtig; beim Nachdenken kommt man vielleicht auch auf den Autor: Daniel Defoe.

Was aber in diesem ›Weltbuch‹ steckt, wurde mir erst wieder bewusst, als ich anfing, den vollständigen Roman – nicht einen gekürzten Verschnitt – wiederzulesen, weil wir eine Reihe mit berühmten Abenteuerklassikern der Weltliteratur planten.

Daniel Defoe war fast 60 Jahre alt, als er dieses Werk, seinen ersten Roman, 1719 veröffentlichte, und er erzählt darin nicht nur eine dramatische und spannende Lebensgeschichte, die von Einsamkeit und Verzweiflung, von Freundschaft und Hoffnung handelt. In der Rolle des Robinson vermittelt uns der Autor seine relativ liberale, aber auch historisch-gebundene Weltsicht am Beginn des 18. Jahrhunderts. Denn nicht zufällig kann der Held -neben drei Bibeln – auch Papier und Tinte aus dem Wrack retten und macht sich sofort an eine Liste mit Soll und Haben. Dieses Korsett eines erfolgreichen englischen Unternehmers – Defoe war übrigens Kaufmann – dient dem Gestrandeten als Halt, lässt ihn systematisch das Überleben angehen. 25 Jahre schlägt er sich allein durch, erst dann kommt Freitag, den er vom Kannibalen zum Europäer und zum Protestanten erzieht – oder soll man sagen: domestiziert.

Doch das ist noch nicht das Ende: Nach der Errettung folgen in unserem Buch noch ›Die weiteren Abenteuer des Robinson Crusoe‹, die meist in allen Ausgaben weggelassen werden, und Freitag ist weiter mit von der Partie.

Ob man sich das äußerst interessante Nachwort von Hans-Rüdiger Schwab vor der Leküre oder danach vergönnt, ist Geschmacksache. Erhellend und hilfreich ist es allemal. Mir jedenfalls wurde auch dadurch bewußt, warum dieses Werk nicht nur ein wunderbarer Abenteuerroman ist, sondern auch ein zeitloser Bildungsroman in besten Sinne des Wortes.

Maria Schedl-Jokl, Lektorat Klassik

Weitere Abenteuerklassiker der Edition:

Jules Verne
Reise zum Mittelpunkt der Erde
(erscheint im Juni 2010)

Mark Twain
Tom Sawyers Abenteuer
(erscheint im Juli 2010)

Robert L. Stevenson
Die Schatzinsel
(erscheint im August 2010)

Karl May
Der Schatz im Silbersee
(erscheint im September 2010)

Jack London
Lockruf des Goldes
(erscheint im Oktober 2010)

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