Roman Graf: Herr Blanc

Empfehlung von Folkert Roggenkamp, dtv Key Account Magagement

Es gibt Bücher, die liest man gern, weil man sich in ihren Figuren wiederzuerkennen meint; andere, weil sie dem Leser ein ganz anderes, buntes und aufregendes Leben vorführen; und es gibt Bücher, in denen man zunächst ein wenig befremdet herumblättert, weil so gar nichts dem eigenen Leben gleicht, und man ist heilfroh darum – und gleichzeitig fasziniert von diesem anderen Leben, das da geschildert wird. Und wenn es gut geschildert wird, will man bald gar nicht aufhören zu lesen und ist traurig, wenn das Buch zu Ende ist. Denn so etwas liest man nicht alle Tage.

So ein Buch ist ›Herr Blanc‹, der Debütroman des jungen Schweizer Autors Roman Graf.

Herr Blanc ist ein pflichtbewusster, etwas penibler Mittvierziger, der noch immer jeden Montag und jeden Freitag bei der Mama das gleiche Gericht isst, ein Sonderling, dessen erste und einzige Liebschaft mit der Studienfreundin Heike über zwanzig Jahre zurückliegt, kurz: Herr Blanc ist, wie niemand wirklich sein möchte. Aber bevor es dem Leser langweilig werden könnte, ist Herr Blanc unversehens sechzig geworden. Verheiratet mit einer Witwe – aus Vernunftgründen, denn die Mutter ist verstorben -, und beinahe pensioniert, erfährt er, der sein Leben nie ernsthaft in Frage stellte, vom kürzlichen Tod Heikes, an die er gelegentlich gedacht, von der er aber nie wieder etwas gehört hat (und natürlich hat er auch zu keiner Zeit vorgehabt, daran etwas zu ändern). Herr Blanc reist aus der geliebten Heimat Schweiz nach Polen, wo Heike zuletzt lebte, und sein Leben erfährt… – nein, keine dramatische Wendung. Auch kein himmelhochjauchzendes Happy End. So ein Buch ist ›Herr Blanc‹ nicht.

Ein tolles, vielfach ausgezeichnetes Debüt: so verschroben und fremd Herr Blanc zu Beginn auch wirkt, am Ende des 224 Seiten umfassenden Romans, soviel ist zu verraten, ist er stolze neunzig Jahre alt geworden, ein milde-freundlich lächelnder Bewohner im Seniorenheim und dem Leser, der ihn durch sein Leben begleitet hat, sehr ans Herz gewachsen. Lesen Sie!

Folkert Roggenkamp, dtv Key Account Magagement

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *