Sandra Lüpkes: Taubenkrieg

Eine Empfehlung von Vanessa Gutenkunst, Literaturagentin

Es gibt die viel zitierten gesellschaftlichen Parallelwelten in Deutschland – der muslimischen mit Ehrenmord, patriarchalischer Vorherrschaft und der Problematik weiblicher Selbstbestimmung hat sich Sandra Lüpkes in ihrem letzten Thriller ›Todesbraut‹ angenommen.

In ihrem neuen Roman ›Taubenkrieg‹ lässt Lüpkes ihre Heldin Wencke Tydmers wieder in einem Milieu ermitteln, das dem deutschen Normalbürger eher fremd sein dürfte: Im mecklenburg-vorpommerschen Quartier des berüchtigten Motorradclubs Devil Doves fließt Blut; drei Liter sammeln sich auf dem Boden des völlig verwüsteten Clubhauses. Genug, um von einem Mord auszugehen. Einzig, es fehlt die Leiche.

Obwohl der Tatort nicht in den Zuständigkeitsbereich der toughen Fallanalytikerin aus Niedersachsen fällt, wird Wencke mit Kollege Boris Bellhorn an den Pinnower See gerufen. Doch während sich die Ermittler vor Ort auf einen Bandenkrieg zwischen verfeindeten Rockern versteifen, dessen erstes Opfer Leo Kellerbach, Rockeranwalt und Vorstand der Devil Doves zu sein scheint, vermutet Wencke eine Beziehungstat. Und rennt mit ihrer Theorie wieder einmal gegen Polizei-Mauern. Dennoch schleust ihre ungeliebte Chefin Wencke als Verpächterin des neuen Clubheims bei den Teufelstauben ein, um den Mord an Kellerbach zu untersuchen.

Wencke ermittelt undercover in einer Welt, die von archaischem Verhalten, Machotum, Verschwiegenheit und Kriminalität geprägt ist. Und in der es wenig um Rockerromantik, sondern vielmehr um Geld, Macht und Geschäft geht. Die starrköpfige Profilerin gerät schließlich in Todesgefahr, als sie den Verstrickungen des Oberstaatsanwalts Gauly auf die Spur kommt, der nicht nur tief in den zwielichtigen Geschäften der Devil Doves steckt, sondern auch ein fürchterliches Geheimnis aus DDR-Zeiten zu vertuschen versucht. Welches, sei an dieser Stelle naturgemäß nicht verraten, vielleicht nur so viel: Nichts ist, wie es anfangs scheint.

Sandra Lüpkes gelingt es wieder einmal, gesellschaftspolitische Themen äußerst spannend und unterhaltend aufzuarbeiten. ›Taubenkrieg‹ ist ein Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legt und der den Leser immer wieder überrascht. Und zu guter Letzt: Auch der wunderbare Axel Sanders, Wenckes früherer Kollege, hat seinen großen Auftritt – und es könnte sein, dass Wencke und er sich im nächsten Roman endlich, endlich kriegen…

Vanessa Gutenkunst, Literaturagentin

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