Spiel im Morgengrauen

Empfehlung von Eva-Maria Prokop, Klassik-Lektorat

Ehre und Schuld, Liebe, Rache und Tod: Knapp 130 Seiten genügen Arthur Schnitzler, dem Meister des Wiener Fin de Siècle, um diese großen Themen des Lebens zu einer fesselnden Geschichte zu verweben.

Arthur Schnitzler: Spiel im Morgengrauen, Bibliothek der Erstausgaben

Arthur Schnitzler findet sich eindeutig unter den Top 5 meiner Lieblingsautoren. Seine Dramen und seine Prosa begeistern mich schon lange, besonders liebe ich aber seine Novellen. ›Spiel im Morgengrauen‹, jetzt in der Bibliothek der Erstausgaben erschienen, ist wohl die spannendste unter den großen Erzählungen im Spätwerk des Autors.

Um seinem Kameraden Otto zu helfen dessen Schulden zu begleichen, begibt sich der junge Leutnant Wilhelm Kasda ins Café Schopf an den Spieltisch. Und er hat Glück: er gewinnt immer wieder, weit mehr Geld, als Otto benötigt. Glücklich macht er sich auf den Heimweg, kehrt jedoch, nachdem er seinen Zug verpasst hat, wieder ins Kaffeehaus zurück. Berauscht von Spiel und Alkohol, findet er kein Ende, und das Blatt beginnt, sich zu wenden: »Verdammte Pik, die brachte ihm immer Unglück. Und die tausend wanderten hinüber zum Konsul.« Willi verliert immer wieder, bis er schließlich elftausend Gulden Schulden bei seinem unerbittlichen Gegner Konsul Schnabel hat.
Es bleiben ihm etwas mehr als vierundzwanzig Stunden, um die Ehrenschulden zurückzuzahlen – doch bei dem Versuch, das Geld aufzutreiben, wird ihm eine Episode aus der Vergangenheit zum Verhängnis.
Schon sechsundzwanzig Jahre vor dem Erscheinen von ›Spiel im Morgengrauen‹ erwies sich Arthur Schnitzler mit dem inneren Monolog des Leutnant Gustl in der gleichnamigen Novelle als Meister des psychologischen Erzählens. In seinem Spätwerk treibt der stark von Siegmund Freud beeinflusste Schriftsteller diese Technik zur Perfektion – die achtundvierzig Stunden aus dem Leben des Wilhelm Kasda sind eine brillante psychologische Studie und ein erzählerisches Meisterwerk.

Eva-Maria Prokop, Klassik-Lektorat

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