Susanne Krones

Lektorin

Russland übt auf den jungen britischen Journalisten und Schriftsteller Arthur Ransome eine ungeheuere Faszination aus. Er macht sich auf den Weg dorthin und findet sich in einer Geschichte wieder, wie er sie sich selbst niemals hätte ausdenken können. Ransome gerät in die Wirren der Russischen Revolution und erlebt die Bolschewiki, die Ermordung der Romanows und die Geburtsstunde der Sowjetrepublik aus der Perspektive des Beobachters und Journalisten.  

Trotz aller Brutalität und Ungewissheit glaubt Ransome sich sicher im Niemandsland, dem Raum zwischen zwei Seiten, der weder zur einen noch zur anderen gehört. Doch während er versucht, die zeitgeschichtlichen Ereignisse zu begreifen, bekommt er zu spüren, dass es seine Position journalistisch-beobachtender Neutralität in diesen Wirren nicht geben kann: Die Engländer halten ihn für einen Spion der Bolschewiki, die Bolschewiki glauben, er sei ein britischer Agent. Unbewusst und zugleich unwiderruflich gerät er zwischen die Fronten.  

Auch im Privaten gerät Ransomes Welt ins Wanken: Er, der bislang einzig in Russland verliebt war, findet die Liebe seines Leben gerade in dem Moment, in dem er aufgehört hat, an sie zu glauben – ausgerechnet in Ewgenia, der Sekretärin eines mächtigen Politikers. Welche Chancen ihre Liebe in einer Welt hat, in der jeder jedem misstraut, und wie es Ransome gelingt, die Liebe seines Lebens außer Landes zu bringen, das erzählt der britische Autor Marcus Sedgwick sprachmächtig und auf interessante und innovative Weise.  

Was dem jungen Schriftsteller Arthur Ransome immer schon poetologische Gewissheit war, das erlebt er als Jounalist und Mensch am eigenen Leib: „Geschichten entwickeln sich, nehmen neue Richtungen und Wendungen, überschneiden sich und bringen andere Geschichten hervor. Hier und dort berühren Geschichten einander, und eine vertraute Figur, manchmal der Held, überquert die Brücke von einer Geschichte zur anderen.“ So, wie alle Flüsse zum Meer fließen, scheinen alle Geschichten unaufhörlich daraufzuzusteuern, in einer einzigen aufzugehen.  

„Wie viel wissen wir schon? Wie viel wissen wir schon von unseren eigenen Geschichten, während wir sie leben? Ich dachte, ich wüsste, was ich tat und warum. Oder sollte ich sagen, für wen ich es tat? Aber das Leben ist nie so einfach. Und im Nachhinein blicken wir auf unser Leben zurück und denken: Zum Teufel, was war ich doch für ein Narr!“  

Ein außergewöhnlicher Roman, der Appetit auf Geschichte macht – und hungrig nach Geschichten. Hochspannend und poetisch zugleich!

Dr. Susanne Krones

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