Tom Reiss: Der schwarze General

Eine Empfehlung von Pauline Nickel, Auszubildende bei dtv

Alexandre Dumas nutzte die Abenteuer und den Charakter seines Vaters als Vorlage für ›Die drei Musketiere‹ und ›Der Graf von Monte Christo‹. Doch wie weit stimmen Realität und Fiktion überein?

Lange war der Name Alex Dumas in Vergessenheit geraten. Nun entdeckt Tom Reiss ihn neu. Die Suche nach Hinweisen auf das Leben des Generals zog sich in die Länge, doch schließlich wurde Reiss fündig: In Villers-Cotterêts, der Stadt, in der Thomas-Alexandre Dumas während der französischen Revolution lebte und letzten Endes starb.

An diesem Ort lebt ›Der schwarze General‹ weiter: Das ›Musée Alexandre Dumas‹ beherbergt eine erstaunliche Sammlung an Originalschriftstücken, und die »Dumasianer«, die sich zu der ›Association de Trois Dumas‹ zusammenschlossen, erinnern noch immer an die längst vergessenen ruhmvollen Tage der Dumas. Mithilfe der Briefe und Tagebucheinträge versucht Tom Reiss nachzuvollziehen, welche Abenteuer Alex Dumas erlebt hat und wie er trotz seiner Hautfarbe bis zum General aufsteigen konnte.

Wer kennt sie nicht, die ›drei Musketiere‹?  Den stürmischen d’Artagnan, der unbedingt in den Bund der drei Freunde Athos, Porthos und Aramis eintreten will, bei denen »einer für alle, alle für einen« gilt? Alex Dumas, der Vater des Schriftstellers Alexandre Dumas soll das Vorbild dieses Hitzkopfes gewesen sein …

Der schwarze GeneralEr wuchs als jüngster Sohn von Antoine Davy de la Pailleterie auf. Da die Mutter eine Sklavin des Vaters war, konnte auch ihr Sohn kein freier Mann sein. Doch Alex hatte das Glück, das Lieblingskind seines Vaters zu sein, und so kam es, dass Antoine seinen Sohn letztendlich anerkannte und Alex in Paris aufwachsen konnte. Nun »Sohn« eines Marquis, wurde ihm selbstverständlich eine gute Ausbildung  zuteil. Die Fechtkunst erlernte er bei Chevalier de Saint-Georges, auch unter dem Namen Joseph Boulogne bekannt, der genau wie Alex von einem weißen Vater und einer schwarzen Mutter abstammte. In diesem Zusammenhang entwickelte sich auch folgender Mythos über Alex: »In der Reitschule richtete er sich gerne in den Steigbügeln auf, ergriff mit den Händen einen Querbalken und zog sich daran mitsamt dem Pferd in die Höhe.«

Nach einigen Meinungsverschiedenheiten mit seinem Vater tritt Alex der Armee als einfacher Fußsoldat bei und ändert in diesem Zug seinen Namen von Thomas-Alexandre de la Pailleterie zu Alex Dumas, dem Nachnamen seiner Mutter.

Als die Armee im Ort Villers-Cotterêts Station macht, trifft Alex auf Marie-Louise Labouret, mit der er sich kurze Zeit später schon verlobt. Bedingung des Vaters für die Heirat ist, dass Alex zu dem Zeitpunkt mindestens bis zum Feldwebel aufgestiegen ist. Allerdings gelingt es Alex Dumas im Zuge der französischen Revolution nicht nur, bis zum Feldwebel aufzusteigen: Marie-Louis heiratet Alex, als er bereits zum Oberstleutnant geschafft hat. Nun konnte ja eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Und wirklich: Dumas wird weiter befördert, bis er der Oberbefehlshaber einer ganzen Armee geworden ist und seine Frau einem gesunden Mädchen das Leben schenkt. Doch am 19. Januar 1797 wendete sich das Blatt erstmals zu Dumas‘ Ungunsten …

Mit Ironie und sprühender Begeisterung durchbricht Tom Reiss das Schema einer trockenen Biografie in seinem Buch, das sowohl Fans des Autors der ›drei Musketiere‹ und des ›Grafen von Monte Christo‹ als auch Geschichtsbegeisterte in seinen Bann zieht. Der Titel verspricht die Biografie des ›schwarzen Generals‹, doch dieses Buch enthält viel mehr. Zusätzlich zu dem faszinierenden Leben Alex Dumas‘ wird auch die Geschichte der Sklaverei skizziert und ein Bild der Epoche vermittelt. Das sieht dann manchmal so aus: »Zu Fuß gingen nur die Pariser, die sowieso schon vor Dreck starrten – die Armen und die Arbeiter. Für die bemitleidenswerten Fußgänger, die sich zwar zu den Gentlemen zählten, deren Mittel es aber nicht zuließen, in einem fort die hellen Seidenhosen oder -strümpfe zu wechseln, verfiel man auf eine pragmatische Lösung, die zukunftsweisend für die französische Mode werden sollte: ganz in Schwarz.«

 

Ein Kommentar zu “Tom Reiss: Der schwarze General

  • 1. Oktober 2013 um 13:14
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    muss ich auf jeden Fall haben, bin ein Fan von Dumas ;O)

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