Total besteuert

Buchempfehlung von Christine Fuchs, dtv-Lektorat Sachbuch

Es gibt vermutlich unendlich viele Dinge, um die man sich lieber kümmert als um die Steuern. Kein Wunder, schließlich ist unser Steuersystem eines der altmodischsten, verstaubtesten und undurchsichtigsten der Welt. Einer Vergleichserhebung des Weltwirtschaftsforums zufolge liegen wir weit abgeschlagen auf dem letzten Platz, sogar hinter Haiti und der Dominikanischen Republik. Ursula Ott hat dies am eigenen Leib erfahren.

Herrlich erfrischend berichtet sie von ihren Erlebnissen anlässlich einer Steuerprüfung. Als alleinerziehende Mutter zweier Kinder und frei arbeitende Journalistin bleibt nur wenig Zeit (und noch weniger Lust), jeden Kassenbeleg ordentlich für das Finanzamt abzuheften, um ihn im Bedarfsfall griffbereit zu haben. Deswegen hat sie jetzt mächtig Ärger am Hals und ist wohl oder übel gezwungen, sich auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben. Wie sonst soll sie herausfinden, wie der Grundriss ihrer alten Wohnung aussah, warum ihr 1996 3000 Euro überwiesen wurden und wieso sie sich innerhalb von zwei Jahren zwei Computer gekauft hat? Wen interessiert so etwas überhaupt? Das Finanzamt. Das will jeden noch so verblichenen und verknuddelten Beleg noch einmal genau inspizieren und vor allem eines wissen: privat oder beruflich? Wie aber dem Finanzamt erklären, dass manchmal auch sonntags gearbeitet wird und dass ein Urlaub mit dem eigenen Kind auch beruflichen Zwecken dienen kann? So beginnt eine irrwitzige und in der Tat total … besteuerte Fahrt durch ein chaotisches System.

Ursula Ott stöhnt, der Leser aber hat gut lachen.

Christine Fuchs, dtv-Lektorat Sachbuch

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