V.K. Ludewig: Oper der Phantome

Eine Empfehlung von Thomas Elbel, Autor von Asylon, Elysion und Megapolis

Schon ›Ashby House‹ hatte mich in seinen düsteren Bann gezogen. Deswegen habe ich umso gespannter auf die lang angekündigte Fortsetzung gewartet und bin nicht enttäuscht worden. ›Oper der Phantome‹ ist wiederum viele Romane in einem.  

Doch erst einmal eine kleine Bestandsaufnahme:

Oper der PhantomeDie Handlung spielt einige Jahre nach den dramatischen Ereignissen um Ashby House. Laura Schalott, verehelichte Slasher, lebt von ihrem Ehemann Hector getrennt. Doch ihr Versuch, ihre Trauer über die verlorene Liebe in einem Londoner Hotelzimmer stilvoll in Hochprozentigem zu ertränken, endet jäh, als McGrath & Son, eine ominöse Geheimorganisation mit einem unwiderstehlichen Auftrag an sie herantritt. Zu ihrer Überraschung erfährt sie, dass das menschenverschlingende Portal, dem in ›Ashby House‹ ihr Freund und Butler Steerpike und beinahe auch sie selbst zum Opfer fiel, nur eines von vielen ist. Aufgrund ihrer einschlägigen Erfahrung soll sie sich im Auftrag von McGrath & Son fortan auf Portaljagd begeben.  Zu ihrer Unterstützung wird ihr die irritierend gefühlsreduzierte Elle Carter an die Seite gestellt. Ihr erster Auftrag führt das ungleiche Pärchen nach Berlin in die Komische Oper, ein ebenso pittoreskes wie geschichtsträchtiges Haus. Dort droht den beiden Ungemach in Form einer Neuinszenierung von Antonín Dvořáks Oper Rusalka, die – wie sie bald herausfinden – schon vor fast hundert Jahren ein Tor zu einer anderen Dimension geöffnet und damit zu einer blutigen Katastrophe im Zuschauersaal geführt hatte. Lässt sich eine Wiederholung noch verhindern?

V.K. Ludewigs Zweitling brilliert einmal mehr durch liebevoll gezeichnete Settings mit hohem Kopfkinofaktor und herrlich skurrile Charaktere. Insbesondere das Opernhaus wird bald selbst zur Figur mit einem sinistren Appetit auf die eigenen Gäste. Das Buch ist zu jedem Zeitpunkt wunderbar kurzweilig und der nicht zu unterschätzende Gruselfaktor angenehm humorig konterkariert. Mit viel Liebe zum Detail jagt Ludewig seine illustre Personage durch das moderne Berlin und bis in dessen düstere Eingeweide. Die Handlung nimmt erst sachte und dann immer schneller Fahrt auf, um schließlich in ein halsbrecherisches Finale Furioso zu münden, das die Hauptfigur in einer mit lyrischer Anmut beschriebenen Apotheose sogar über die Grenzen des Diesseits hinausführt.

Ashby House‹ hat einen würdigen Nachfolger gefunden und es bleibt zu hoffen, dass es nicht der letzte ist.

Eine Empfehlung von Thomas Elbel, Autor von Asylon, Elysion und Megapolis

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