Verboten – verfemt – vertrieben

Buchempfehlung von Esther Böminghaus

Viele der Namen, die in diesem Buch genannt werden, hatte ich schon oft gehört, andere waren mir unbekannt. Dabei sind die Schicksale aller hier vorgestellten Schriftstellerinnen bemerkenswert und ihr Durchhaltevermögen, ihre Kraft und die Kreativität, die sie sich trotz der erbärmlichen Zustände bewahren konnten, bewundernswert. „Verboten, verfemt, vertrieben“ hat mir sehr plastisch vor Augen geführt, welche Probleme Frauen und insbesondere Schriftstellerinnen in einem totalitären Regime zu bewältigen hatten. Sie mussten ihren eigenen künstlerischen Anspruch bewahren und zugleich um das nackte Überleben erbittert kämpfen.

Die sehr persönlichen Porträts von Vicki Baum, Mascha Kaléko, Hilde Domin und vielen anderen geben Einblick in völlig unterschiedliche Lebensentwürfe und regen dazu an, mehr über diese außergewöhnlichen Persönlichkeiten erfahren zu wollen. Kranke, arbeitslose und von Depressionen geplagte Ehemänner, die Versorgung der Kinder, Geldsorgen und die Trennung von Familie und Freunden: all das war Alltag für diese Frauen, die uns in diesem Buch an ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

Doch am meisten haben mich die positiven Erlebnisse beeindruckt, die bei allem Leid in den Texten durchscheinen. Selbstlose Helfer, gute und verlässliche Freunde und Gastländer, die den Schriftstellerinnen dazu verholfen haben, ihre Identität wiederzugewinnen und eine neue Heimat zu finden. Ein tief bewegendes Buch, in dem Edda Ziegler ohne Pathos eine Frauengeneration vorstellt, die mit uns mehr gemein hat, als man zunächst denkt.

Unbedingt lesen!

Esther Böminghaus, Lektorat Klassik

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