Vita Sackville-West: Eine Frau von vierzig Jahren

Eine Empfehlung von Esther Böminghaus, dtv Lektorat Klassik

»Sie lächelte ein wenig traurig, da ihr der Altersunterschied zwischen ihnen plötzlich wieder klar vor Augen stand. Wie viele Jahre lang würde er sie seinen Freunden noch vorführen wollen?«

Die schöne Witwe Evelyn Jarrold lernt mit fast vierzig Jahren die Liebe ihres Lebens kennen. Der fünfzehn Jahre jüngere Miles Vane-Merrick hebt ihre Welt aus den Angeln. Doch Evelyn plagen Zweifel: Nicht nur der große Altersunterschied macht ihr zu schaffen, auch Miles‘ jugendliche Sorglosigkeit und Unabhängigkeit beunruhigen sie.

Sackville West Eine Frau von vierzig JahrenHeutzutage scheinen solche Probleme überholt, denn der Altersunterschied sollte eigentlich keine Rolle mehr spielen. Tut er auch nicht … oder doch? Gerade Frauen, die sich für einen jüngeren Mann entscheiden, geraten auch im 21. Jahrhundert häufig in die Kritik. Vita Sackville-West, die ihren Roman schon 1932 publizierte, nahm sich dieses Themas ebenfalls an. Eine (für heutige Verhältnisse) junge Witwe von vierzig Jahren und ein deutlich jüngerer Mann gehen eine Beziehung ein. Doch was ist das Faszinierende an diesem knapp achtzig Jahre alten Roman? So seltsam es klingen mag: die Aktualität.

In der Geschichte wird auf sehr plastische und dennoch äußerst feinfühlige Weise ein Gefühlsdilemma beschrieben, das jeder kennt, der je eine Beziehung hatte, die nicht den »Erwartungen« der Umwelt entsprach. Was ist normal? Was ist erlaubt? Auf wen muss man Rücksicht nehmen? Wen darf man lieben?

Mit all diesen auch heute noch sehr aktuellen Fragen hat sich Vita Sackville-West schon früh beschäftigt und einen Roman geschrieben, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

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