Wallace Stegner: Vor der Stille der Sturm

Eine Empfehlung von Patricia Reimann, dtv Lektorat Literatur

»Auch ›Vor der Stille der Sturm‹ ist wieder ein Meisterwerk, alleine der von Joe Allston niemals abgeschickte Brief an Marian in der Mitte des Buches… – Das ist große Literatur, gar keine Frage. Hoffentlich, hoffentlich findet Wallace Stegner endlich viele Leser, mir scheint, er ist noch immer der klassische Nischenautor, wobei Nische hier eher »Kenne-ich-gar-nicht-Nische« heißt. Wie auch immer, das Buch ist mindestens genauso gut wie ›Die späte Ernte des Henry Cage‹ von David Abbott.«
Jürgen Hees, Buchhandlung Herwig, Göppingen

Viele Jahre war Joe Allston erfolgreicher Literaturagent, jetzt hat er seine Karriere beendet und kehrt mit seiner Frau Ruth der exzentrischen Ostküste und dem wirren Treiben der »swinging sixties« den Rücken. Auf der Suche nach Stille, in den berauschend schönen Hügeln Kaliforniens, wird Allston jedoch abermals in die Unordnung des Lebens gestoßen. Ein Geschehen, das er nicht kontrollieren kann, verwirrt seine Gefühle. – Und Allston, der das Paradies in einer vermeintlichen Idylle gesucht hatte, findet in ihrer Unvollkommenheit etwas Neues, Wahrhaftiges…

Jane Smiley schrieb in ihrem Vorwort zu einem der Joe-Allston-Romane von Wallace Stegner: »Wenn ein leidenschaftlicher männlicher Schriftsteller bereits als junger Mann berühmt wird, verehrt man ihn meist, weil er wild, ungestüm und zornig ist. Wallace Stegner wurde, obwohl er mehr als fünfzig Jahre lang Romane schrieb und veröffentlichte, nicht jung berühmt… Wenn ein leidenschaftlicher Schriftsteller im vorgerückten Alter berühmt wird (Stegner war zweiundsechzig, als er mit dem Pulitzer Prize und siebenundsechzig als er mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde), dann ist er oft weniger leidenschaftlich als misanthropisch oder zumindest skeptisch.«

Wallace Stegners männliche Hauptfiguren mögen an den Malaisen des heraufziehenden Alters oder den Enttäuschungen, die sich in einem langen Leben summieren, leiden, sie sind aber, herausgefordert von Frauen, die meist ein Gegenprinzip verkörpern, in einem durchaus leidenschaftlichen Bewusstseinszustand ironisch-kritischer Selbstbetrachtung. Ein Bewusstseinszustand, der auch den Blick des Lesers aufregend schärft.

Stegners Romane, drei sind bisher im dtv auf Deutsch erschienen – ›Zeit der Geborgenheit‹, ›Die Nacht des Kiebitz‹ und ›Vor der Stille der Sturm‹ – gehören zu jenen Büchern, die tiefe Einsichten gewähren. Einsichten, die sich manchmal erst langsam, über die Zeit hinweg, bei einem zweiten Lesen offenbaren, manchmal aber auch urplötzlich, so wie ein unvermittelt losbrechender Sturm.

Patricia Reimann, dtv Lektorat Literatur

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