Tanja Langer: Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit

Empfohlen von Günther Opitz, dtv Lektorat Literatur

 

Tanja Langer: Wir sehen uns wieder in der Ewigkeit

Am Tag zuvor hatte der Dichter zuerst Henriette Vogel und dann sich selbst erschossen; die Ehefrau des Tagelöhners Riebisch am Gasthaus Stimming, Dorothe Louise, hatte den beiden am Ufer des Wannsees noch Café serviert – um bald darauf Schüsse zu hören.

Was aber machen zwei Menschen kurz vor ihrem freiwilligen Tod? Tanja Langer sucht auf diese Frage mit ihrer Erzählung ›Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit‹ eine Antwort.

Ausgehend von den Polizeiberichten und Obduktionsprotokollen, die sich erhalten haben, schildert sie, was Kleist und Vogel in den letzten Stunden ihres Lebens gemacht haben könnten. Sie beginnt mit der  gemeinsamen Fahrt von Kleist und Vogel in einer Lohnkutsche von Berlin zum Wannsee, entwirft aber dann weit mehr als »nur« eine Reportage von der letzten der Nacht der beiden am See.

Geschickt blendet sie zurück in die Biographie beider, beschreibt Henriettes Leben in Berlin, erzählt  von Kleists Gefängnisaufenthalt in Frankreich, erinnert an Konflikte mit Freunden, skizziert die Zeitumstände. Kenntnisreich vermag sie die Leser an zwei Menschen heranzuführen, die eine ganz besondere  Beziehung miteinander verband, und die, so wurde stets berichtet, heiter in den gemeinsamen Tod gegangen sind.

Überraschend und poetisch vergegenwärtigt Tanja Langer eine tragische Nacht – sicher eines der schönsten Bücher aus dem Kleist-Jahr 2011.

Von Günther Opitz

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