Blick hinter die Verlagskulissen: Die Umschlaggestaltung

Fragen an Gestalterin Lisa Helm

Lieben Sie es auch, in den Buchladen zu gehen und einfach zu gucken, zu stöbern und das ein odere andere Buch mitzunehmen? Bei so viel Auswahl entscheidet häufig das Cover, zu welchem Buch wir greifen.
Aber wie entstehen die Buchcover und wer redet hierbei alles mit?
Im Interview gibt Gestalterin Lisa Helm Einblicke in die Kreation von Covern und zeigt Ihnen in Bildern den langen Weg zum richtigen Cover.

Was ist der allererste Schritt bei der Covergestaltung?

Grafikerin Lisa Helm im Gespräch

Der allererste Schritt bei uns ist die Briefingrunde mit den Lektoren. Wir setzen uns zusammen und besprechen alle Titel eines Halbjahresprogramms. Wir kriegen dann meist eine Zusammenfassung des Inhalts oder eine Leseprobe, ein Gutachten oder ein Manuskript. Dann entscheiden wir uns für eine mögliche Richtung, ob Foto oder eher Illustration, und für Motive, die sich aus dem Inhalt heraus ergeben und sich für den Umschlag eignen. Natürlich muss man auch hier und da die »Regeln des Genres« beachten, damit sich die Zielgruppe später auch angesprochen fühlt. Und dann geht’s los… 

Woher nehmen Sie die Ideen für die Cover?

Das ist ganz unterschiedlich: Die Cover-Ideen entstehen oft schon in der Briefingrunde, wenn man zusammensitzt und über den Inhalt spricht, oder wir machen im kleineren Rahmen ein Brainstorming. Oft hilft auch die Bildrecherche bei den Fotoagenturen bei der Idee. 

Ideen finden die Grafiker auch in ihrer Bibliothek

Wer spricht bei der Cover-Gestaltung mit?

Aus mehreren Entwürfen suchen wir mit den Lektoren einen oder mehrere Favoriten aus. Im Laufe einiger Präsentationen wird er dann mit der Geschäftsleitung und dem Verkauf besprochen und abgestimmt. Die Autoren bekommen die Cover natürlich auch vorher zu sehen, aber die wenigsten sind direkt an der Entwicklung beteiligt. Nachdem natürlich auch die Einschätzung des Handels wichtig ist, befragen wir außerdem unsere Vertreter im Außendienst.

Wie sieht der normale Ablauf der Covergestaltung aus?

Wie gesagt, am Anfang steht das Briefing und dann die Entscheidung, in welche Richtung es gehen soll. Wenn man sich für eine fotografische Lösung entscheidet, dann machen wir uns z.B. bei den vielen Bildagenturen auf die Suche (die sich teilweise auch auf Buchcover-Fotografie spezialisiert haben) oder geben den Auftrag raus an externe Gestalter. 

Die Arbeitsmittel der Grafiker

Wenn es eher eine Illustration sein sollte, recherchieren wir nach einer/m passenden Illustrator/in und geben das Cover dort in Auftrag. Da gibt es dann meistens 2-3 Skizzen, danach eine Farbskizze. Wenn alles soweit abgesegnet ist, wird die Reinzeichnung in Auftrag gegeben.
Wir haben ca. 4-5 Monate Zeit, um ein Halbjahresprogramm zu bearbeiten. Bei dtv sind im Halbjahr ca. 200-250 Cover zu bewältigen. Am Ende steht dann die finale Vertreterkonferenz, auf der alle Titel den Außendienst-Mitarbeitern vorgestellt werden. Auf dieser Sitzung wird dann punktuell auch noch diskutiert und manchmal auch entschieden, dass ein Cover noch geändert werden muss, weil es z.B. als nicht verkäuflich genug eingeschätzt wird.

Wie lange arbeiten Sie durchschnittlich an einem Cover?

Das ist ganz schwierig zu sagen und kommt auch ganz auf den Aufwand an, denn wir haben auch teilweise Reihengestaltungen, wo z.B. die typografische Gestaltung schon feststeht und man muss  »nur« noch ein Bild finden, das geht natürlich schneller. Und dann ist es natürlich so, dass einem manche Cover ganz leicht von der Hand gehen und andere verfolgen einen über Monate. Ich würde sagen, von 15 Minuten bis 15 Stunden ist alles drin :)

Gab es ein Cover, dessen Gestaltung besonders schwierig war?‘

Die Flüsse von London – das englische Originalcover

Ein schwieriger Kandidat war z.B. die Gestaltung von Ben Aaronovitchs Roman »Die Flüsse von London«, ein humorvoller Urban-Fantasy Roman. Es war sehr schwierig diese Kombi gestalterisch rüberzubringen.
Es gab zwar schon ein englisches Cover, die wir aber so nicht übernehmen wollten. Wir haben uns allerdings ein wenig angelehnt und für eine Collage mit Illustrations-Elementen entschieden, um den humorvollen Charakter zu unterstreichen. Bis wir allerdings beim finalen Cover gelandet sind, gab es sehr viele Entwürfe und Vorversionen.
 

Der Weg zum optimalen Cover

Dieser Titel wurde zum Beispiel auch auf der Konferenz heiß diskutiert und das bis dahin entwickelte Cover musste noch einmal neu angegangen werden.Wir haben aber dann noch eine sehr schöne Lösung gefunden, die gut ankommt und mit der auch der Autor sehr glücklich ist. Die Anstrengungen haben sich also gelohnt.

Haben Sie ein Lieblingscover?

Aus unserem Programm… ja klar. Ich finde unsere neuen Tolkien-Ausgaben vom Kleinen Hobbit wirklich schön, v.a. die grüne Schmuckausgabe. Dafür konnten wir den Münchner Illustrator Max Meinzold gewinnen.

Die neuen Ausgaben von ›Der kleine Hobbit‹

Oder auch die wunderschöne neue, florale Neuausstattung von Jane Austen, gestaltet von der schwedischen Illustratorin Petra Borner, die als Flex-Cover mit Leinen-Einband erscheinen wird.

Gestalterin Lisa Helm

Man merkt, ich habe persönlich einen gewissen Hang zu Illustration. Sybil Volks ›Torstaße 1‹ finde ich zum Beispiel eine sehr schöne fotografische Lösung. Und wenn es jetzt um ein Cover geht, die ich selbst entwickelt hab, würde ich sagen ›Little Bee‹ von Chris Cleave.


Das Interview führte Marianne Bohl, dtv

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu “Blick hinter die Verlagskulissen: Die Umschlaggestaltung

  • 14. September 2012 um 16:12
    Permalink

    Sehr schöner Artikel, gerne mehr davon! Ich war zwar Praktikantin bei dtv, hatte aber natürlich nicht Einblick in jede Abteilung. Da ist es sehr interessant auf diesem Wege noch mehr zu sehen.
    Liebe Grüße, Silke

    Antwort
  • 5. September 2012 um 11:49
    Permalink

    Liebes dtv-Team,

    das ist ein sehr interessanter Artikel, danke für den Blick hinter die Kulissen. Darf man fragen, inwieweit die Autoren in den Covergestaltungsprozess mit eingebunden werden?

    Freundliche Lesergrüße
    Sandra

    http://www.buechernische-blog.de

    Antwort

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