Eine Gesellschaft tritt aus dem Schatten

Impressionen aus dem »neuen Iran«

Charlotte Wiedemann und eine Landkarte vom Iran

Charlotte Wiedemanns Buch ›Der Neue Iran‹ ist die eindringliche Schilderung einer uns nur wenig bekannten Welt. Die politische Isolation ist beendet und der Iran tritt als wichtigster politischer Akteur im Nahen und Mittleren Osten auf. Gleichzeitig ist der Iran trotz autoritärer Regierung zu einem modernen, dynamischen, weltoffenen Land geworden – viel weniger religiös, dafür pragmatischer und weiblicher als nach der Revolution von 1979. In einem Bildertagebuch zeigt uns die Autorin erstaunliche Impressionen aus einem Land, über das wir nur wenig wissen.

Iran 1[Bild 1] »Das Pärchen lief mir zufällig ins Bild, als ich das Wandgemälde im Hintergrund fotografierte. So entstand ein typischer Teheraner Kontrast. Die beiden jungen Leute scheren sich nicht um die Propaganda; das Kopftuch der Frau ist kaum zu sehen, ihre Bluse leicht, sogar transparent. Das Wandbild ist berühmt, jedoch älteren Datums, es bezichtigt die USA der Kriegstreiberei, die Stripes der Flagge wurden zum Bombenschweif.«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Iran2

[Bild 2] »Am frühen Abend auf der Tabiat-Brücke: Entworfen von einer jungen Frau, einer Architektur-Studentin, verbindet sie in hohem Bogen über eine Stadtautobahn hinweg zwei Teheraner Parks. Schnell hat sich die Brücke zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt – und wie auf dem Bild ersichtlich tun Iraner unterschiedlicher Gesellschaftsschichten oft das Gleiche: links sieht man eine schicke junge Frau mit roten Schal, rechts zwei konservative Frauen im Tschador, und die Mutter in der Mitte trägt die typische Kombination einer Frau mittleren Alters, die sich unauffällig und praktisch kleiden will und dafür nicht viel Geld hat.«

 

Iran3[Bild 3] »Ein aufregender Moment im Mai 2009: In einem Sportstadion erlebe ich den Beginn der „Grünen Bewegung“ für Demokratie, die später Massendemonstrationen gegen eine vermutete Wahlfälschung auf die Beine bringt und brutal niedergeschlagen wird. Noch ahnen wir nichts davon, die Stimmung ist begeistert und voller Hoffnung. Die Grüne Bewegung hat besonders viele weibliche Fans, in unserer Frauen-Hälfte der Halle wird es deshalb furchtbar eng, und die Luft ist so heiß und stickig, dass mir schwindlig wird.«

 

 

 

 

 

 

 

 

Iran 4[Bild 4] »Hier wird gerade kostenlos heiße Milch ausgeschenkt, eine wohltätige Geste an einem Abend während des schiitischen Trauermonats Muharram. An anderen Ständen gibt Tee, süßen Reis mit Safran und Zimt, Kuchen, heißen Kakao. Die Spenden und die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer sind eine Art Geschenk für Imam Hussein, dessen Tod im 7. Jahrhundert im Muharram gedacht wird. Mir gefällt die Atmosphäre, vor allem nachts, alle Welt ist auf den Beinen, Straßen werden gesperrt für Prozessionen, und Jugendliche drehen ihre Ghettoblaster auf mit melancholischer Musik.«

 

iran 5[Bild 5] »Diesen Landarbeiter traf ich in der Nähe des berühmten Grabs von Kyros dem Großen. Er war auf der Suche nach Beschäftigung. Gewiss ein armer Mann, aber ich fand ihn mit seinem zerfurchten Gesicht und mit den harmonischen Farben seiner Kleidung eine schöne, würdige Erscheinung. Der Kontrast zwischen Stadt und Land ist heute nicht mehr so groß wie zur Schah-Zeit, die meisten Dörfer haben Strom und die Kinder gehen zur Schule.«

 

Alle Bildrechte © Charlotte Wiedemann

 

 

 

 

 

›Der Neue Iran‹ von Charlotte Wiedemann

Charlotte Wiedemann
Der neue Iran

 

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