Werden Sie zum Gehirnflüsterer – Teil III

Kevin Dutton

Aufmerksamkeit, Annäherung und Anbindung: Diesmal verrät der englische Psychologe Kevin Dutton, wie Sie das Prioritätenbüro im Gehirn überlisten.

Stellen Sie sich den schönsten Tag Ihres Lebens vor. Anlässlich Ihrer Hochzeit laden Sie zu einem großen Empfang in ein nobles Hotel. Und während Sie ausgelassen feiern, bemerkt Ihr Trauzeuge, dass alle Hochzeitsgeschenke verschwunden sind. Auf sein besorgtes Nachfragen erklärt die Rezeptionistin, diese seien vorhin wie besprochen abgeholt worden – von Männern in Dienstkleidung mit schriftlichem Auftrag. Wie dieser lautete, wisse sie nicht, da genau in diesem Moment ein aufgebrachter Gast ihre Aufmerksamkeit beansprucht habe. Sie ahnen es bereits: Die Dame ist Trickbetrügern auf den Leim gegangen. Die Hochzeitsgeschenke sind ebenso futsch wie der ominöse Gast, der nicht im Hotel wohnte, sondern mit den Gaunern unter einer Decke steckte. Seine Aufgabe war es, die Rezeptionistin abzulenken, damit sie die vermeintlichen Dienstmänner durchwinkt.

 

Der Überzeugungsalgorithmus nach Kevin Dutton

Diese Geschichte aus Schottland ist eine von vielen, mit denen Kevin Dutton in ›Gehirnflüsterer‹ die Grenzen unserer kognitiven Fähigkeiten veranschaulicht. Trickbetrüger kennen diese genau und machen sie sich gezielt zunutze. »Das Gehirn hat eine Art Prioritätenbüro. Das filtert die Informationen heraus, die wichtig sind für das, was wir gerade tun. Der Rest landet im Müll«, schreibt Dutton. »Seit ewigen Zeiten ist die Tatsache bekannt, dass es Wege gibt, auf denen man in dieses Prioritätenbüro des Gehirns eindringen und manipulieren kann, was in seinem Eingangsfach landet.« Die oben beschriebene kognitive Ablenkung ist dabei nur eine von mehreren Methoden, um das Gehirn zu beeinflussen. Kevin Dutton stellt in seinem Buch den sogenannten Überzeugungsalgorithmus vor. Dieser deckt alle wirksamen Stile der sozialen Beeinflussung ab und lässt sich in drei Aspekte zerlegen: Aufmerksamkeit, Annäherung und Anbindung.

 

Seien Sie sich der enormen Wirkung von Worten bewusst!

Wer diese drei A’s verinnerlicht, strebt nicht automatisch eine kriminelle Karriere an. Dennoch sollten Ihnen bewusst sein, dass jeder Mensch über eine hochbrisante Waffe verfügt – und sie im Gespräch gezielt einsetzen kann: »Worte sind psychoaktiv«, so Kevin Dutton. »Akustisch aufgenommen und in Millisekunden dem Gehirn übermittelt, können sie schneller als Crack, Black oder sonst ein Stoff, den wir in dunklen Ecken kaufen, unsere Handlungsweise ändern und unsere Denkmuster beeinflussen.«

Tina Rausch, freie Journalistin

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