»Handschrift D«: Ein Weckruf aus einer anderen Zeit

Die einzige, erst kürzlich verifizierte literarische Handschrift Shakespeares

William Shakespeare Die Fremden

1. Mai 1517, The Ill May Day: Etwa eintausend Londoner Bürger versammeln sich nachts, um gegen die steigende Zahl von Migranten aus Flandern und Frankreich zu rebellieren. Schon seit Wochen hatte es zunehmend Angriffe auf die »Fremden« gegeben – und das Gerücht ging um, dass man sie an eben jenem 1. Mai alle erschlagen werde. In der aufgeheizten Stimmung dieser Nacht trat Londons Untersheriff Thomas Morus vor die Aufständischen und hielt eine flammende Rede zum Schutz der Migranten.

15. März 2016: Fachwissenschaftler erklären die bislang nur vermutete Urheberschaft Shakespeares an einem mit »Handschrift D« benannten Dokument für bestätigt – und damit die einzige literarische Handschrift Shakespeares, eine Sensation! Die Handschrift besteht aus einer Szene für ein von mehreren Autoren verfasstes, niemals aufgeführtes Theaterstück und beschreibt eben jene Rede von Thomas Morus in der Nacht vom 1. Mai.

Neben der großen Bedeutung für die Shakespeare-Forschung erregt das Schriftstück noch aus einem weiteren Grund Aufsehen. Die Empathierede des Thomas Morus trifft auf die aktuelle Thematik der Jahre 2015/2016: die Flucht Hunderttausender aus dem syrischen Kriegsgebiet nach Europa. Shakespeares Text wird in dieser Situation weltweit als Plädoyer für Menschlichkeit und Mitgefühl gelesen.

›Die Fremden‹ bei dtv: zweisprachige Ausgabe der ›Handschrift D‹, übersetzt und mit einem Nachwort von Frank Günther, mit einem Vorwort von Heribert Prantl.

William Shakespeare, Frank Günther
Die Fremden

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