Helene Mierscheid: Über ›Vokuhila‹

Teil 2 – die Entstehung

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Mark Twain hat einmal gesagt: »Schreiben ist ganz einfach. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.« Da hat er recht. Aber wie anfangen?

Die Idee ist das eine – aber dann – wie weiter? Nun habe ich ja schon ein paar Kinderbücher geschrieben, aber ›Vokuhila‹ sollte ein Sachbuch im Bereich Humor werden. Das hatte sich mein Verlag dtv so in den Kopf gesetzt – und mir damit auch.

Also die Tastatur betrachtet – schade, dass sie kein Griffel ist, an dem man nagen kann.

Ich wurde vor kurzem einmal gefragt, wie ich mich so gut an diese Zeit erinnern kann? Ehrliche Antwort: Konnte ich erst einmal nicht. Nur während meiner Zeit an der Universität von York (1985-1986) hatte ich Tagebuch geführt, aber mein eigentliches Tagebuch waren damals die Briefe an einige Freunde, mit denen ich ein sehr intensive Korrespondenz führte

Für die jüngeren Leser: Briefe sind wie ausgedruckte Mails, die man in einem Umschlag steckt und eine Briefmarke draufklebt. Die gibt es bei der Post und nicht beim Versandhandel. Man wirft sie in einen gelben Kasten und ein paar Tage später kommen sie beim Empfänger an – das ist Magie pur!

Aber zurück zum Schreiben: Wie also das 80er-Jahre-Dunkel lichten?

Meine jüngere Schwester Heidi, die auch in dem Buch vorkommt, hatte die rettende Idee. Sie hat mir drei CDs (kein Download!) mit 80er-Jahre Musik geliehen. Ab da wurde es schwer für meine Nachbarn – die mussten nun tagein, tagaus der Musik lauschen. Wie gut, dass wir zu der Zeit auch Bauarbeiten im Haus hatten. Der Dachstuhl über mir wurde ausgebaut, die Fassade erneuert und wir alle mit dem Baulärm freundlich in den Wahnsinn getrieben. Da fiel das Gejodel meiner Musik nach einer Weile gar nicht mehr so auf, zumal die Bauarbeiter auch gerne Musik hörten und uns daran teilhaben ließen. Arbeit soll ja Spaß machen.

1984Meine Musik brachte die Bilder und die Erinnerungen zurück. Gespräche mit Freunden aus dieser Zeit haben auch geholfen, Lücken zu schließen. Geschrieben habe ich nachts, um dem Baulärm aus dem Weg zu gehen.

Dann war der Rohtext fertig und meine Lektorin hat damals traurig bestätigt, dass er wirklich sehr roh war. Also wurde hin- und her lektoriert, bis die Tasten qualmten. Lektoren sind sehr geduldige Menschen, sonst gäbe es viele tote Autoren.

Bücherschreiben geht im Prinzip so: Am Anfang ist die Idee, die der Verlag auch gut findet. Das ist die Empfängnis. Dann kommt die Schwangerschaft des Schreibens, während der der Lektor oder- wie in keinem Fall – die Lektorin das Projekt schon betreut (manchmal auch bereut – hüstel). Das Erscheinen des Buches ist dann die Geburt, die alle herbeigesehnt haben.

Es ist wirklich so. Wenn die Kiste mit den ersten Exemplaren kommt, und ich die Schere nehme, um sie zu öffnen…dann halte ich das neue Buch endlich in der Hand und alle Schmerzen sind vergessen.

Vokuhila‹ ist sehr schön geworden – als Mutter darf ich das sagen. :-)

Helene Mierscheid

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