Jack London:
Lockruf des Goldes

Jack London: Lockruf des Goldes
Mit ›Lockruf des Goldes‹ erscheint der fünfte und letzte Teil unserer Jack-London-Neuedition. Alle Bände wurden von Lutz-W. Wolff neu übersetzt und mit einem umfangreichen Anhang ausgestattet. Entdecken Sie jetzt die Handlungsorte aus dem Roman und Hintergrundinformationen zur Figur des Protagonisten Burning Daylight.

Burning Daylight als literarische Figur

Der gebildete Leser kann schon am Namen des Titelhelden erkennen, dass der Roman zwar in einem sehr schlichten, unliterarischen, ja, fast vulgären Milieu spielt, im Hintergrund aber eine große Liebesgeschichte darauf wartet, sich zu entfalten. Der Ausdruck burning daylight geht nämlich auf William Shakespeare zurück, der den stets munteren Mercutio in der vierten, morgendlichen, von Fackeln erhellten Szene des I. Akts von ›Romeo und Julia‹ zu Romeo sagen lässt: »Come, we burn daylight, ho!« Was Frank Günther übersetzt mit: »Nicht lang gefackelt, wir brennen Kerzen für das Sonnenlicht.«. Im 19. und 20. Jahrhundert ist daraus dann die auch und gerade in Amerika verbreitete Redensart »We’re burning daylight!« geworden, was in etwa bedeutet: »Wir vertrödeln unsere Zeit!« Besonders der Filmschauspieler und Westernheld John Wayne (1907–1979) wird gern mit diesem Ausspruch zitiert.


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Burning Daylight als reale Figur

›Burning Daylight‹ (so der Titel der Originalausgabe) war mit 164.000 gebundenen Exemplaren eins der bestverkauften Bücher des Jahres 1910 und wurde zwischen 1928 und 2010 insgesamt viermal verfilmt, aber bei den Kritikern hatte es keinen Erfolg. Die Sonoma-Idylle missfiel den Literaten ebenso wie den Sozialisten, die sich im Stich gelassen fühlten. Der Hauptanklagepunkt der Kritiker: Sowohl die Figuren als auch die Handlung von ›Burning Daylight‹ seien vollkommen unrealistisch. Dabei gab es für Elam Harnish ein damals noch quicklebendiges Vorbild, das sogar seinen Namen trug. Er und Jack London hatten sich im Herbst 1897 am Oberlauf des Yukon River kennengelernt.

Aber sollte ›Burning Daylight‹ überhaupt »realistisch« sein?

Angesichts der Tatsache, dass am Anfang und am Ende des Romans historische Ereignisse (der Goldrausch von 1897 und die Panik von 1907) stehen, könnte man glauben, Jack London habe einfach zehn Jahre des Lebens an der Westküste nachgezeichnet. Tatsächlich sind ja viele Handlungselemente mit historischen Ereignissen hinterlegt, so dass die Figur des Burning Daylight als Amalgam der Entdecker, Pioniere, Unternehmer und Städtegründer Alaskas und Kaliforniens erscheint.

Zwischen Paradies und Kapitalismus

Der Held ist ein Kämpfer – und Leidender. Er spürt die Einsamkeit und Entfremdung des Lebens im Kapitalismus, sucht verzweifelt nach einer menschlichen Bindung und muss die Erfahrung machen, dass ihn Macht und Geld nur behindern. Am Ende geht es um die Suche nach dem richtigen Leben. Der Weg, den Daylight zurücklegt, orientiert sich am klassischen, christlich-sozialistischen Erlösungskonzept: Aus der Unschuld des arktischen Paradieses geht es in die »Menschenfalle« der Großstadt, aus der sich der Leidende schließlich durch den Verzicht auf Reichtum und Luxus befreit und zur körperlichen Arbeit zurückkehrt. Die Liebe einer Frau ist dabei nicht nur Belohnung, sondern Maßstab und Katalysator seiner Erlösung.

Aus dem Nachwort von Lutz-W. Wolff

Die Jack-London-Neuedition ist als Taschenbuch und eBook erhältlich:

Jack London
Lockruf des Goldes
Jack London
Der Seewolf
Jack London
König Alkohol

Jack London
Der Ruf der Wildnis
Jack London
Wolfsblut

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