Jutta Profijt: Blogging Queen

Fahnen, Umzugskisten und eine Blogging Queen ohne Internet - Jutta Profijt über die Entstehung ihres neuen Romans

Im Netz sind Identitäten frei wählbar – aber was, wenn virtuelle und reale Welt aneinander geraten? Das war die Ausgangsidee für einen Roman, den ich schreiben wollte. Aber kein Krimi sollte es werden mit Bösewichtern, die ihre Opfer im Netz suchen, sondern etwas Heiteres.

Das fand auch meine Lektorin gut und so machte ich mich – von keinerlei Vorahnungen beunruhigt – ans Werk. Das Manuskript wurde fertig, die Lektorin begann das Lektorat, da kam plötzlich die Anfrage aus der Abteilung Internet & Neue Medien. Was ich davon hielte, wenn Bloggerinnen probelesen und gewissermaßen ein Fachlektorat Blogging machten. Ich war begeistert und so wurden – für mich hinter den Kulissen – Bloggerinnen ausgewählt.

Dann kam die Sache mit meinem Umzug. Vier Tage vor dem festgelegten Termin flutete ein Hohlkopf die neue Wohnung. Also kein Umzug. Das Einzige, was termingerecht stattfand, war das Abschalten des alten Telefonanschlusses. Kein Telefon, kein Fax, kein Internet. Ein Handy besitze ich zwar, aber da ich das Ding nie benutze, kennt auch niemand (einschließlich mir) die Nummer … Es folgte ein wochenlanges Leben im Chaos zwischen Kartons und in dem hektischen aber überwiegend erfolglosen Versuch, Schadensbegrenzung zu betreiben.

Gelegentliche Kontakte mit meiner Lektorin unterrichteten mich über den Fortgang der Aktion. Ich könne auch im Forum mitlesen, was die Kritikerinnen diskutierten. Haha. Konnte ich eben nicht. Ich bekam also die kondensierten Informationen aus den Anmerkungen der Druckfahnen von meiner Lektorin und wir haben uns bemüht, das Meiste in den Text einzuarbeiten. Da ging es um Namen von Figuren, um die technischen Details des Bloggens oder um nicht ausreichend dargelegte Motivation der Hauptfigur. Durchaus wichtige und beileibe nicht nur Blogging-relevante Fragen!

Ich hatte also genau das, was ich mal auf meiner Facebook-Seite versucht hatte: Beteiligung. Nur quasi ohne mich. Erst viel später habe ich neugierige Blicke in das Bloggerinnen-Forum geworfen und einige Themen wiedererkannt. Manche Diskussionen hatte ich in ähnlicher Weise mit mir selbst schon ausgefochten, z.B. ob es realistisch ist, dass Lulu mit ihrem Blog ganz allein ist. Sie liest keine anderen Blogs, vernetzt sich nicht … Aber, ebenso wie ich, fanden einige Bloggerinnen das logisch, denn Lulu kommt ja zum Blog wie die Jungfrau zum Kinde, ist also keine typische Bloggerin (wie die Kritikerinnen in diesem Fall). Ich fand ähnliche Gedankengänge, die mir selbst sehr bekannt vorkamen, im Diskussionsforum wieder und habe mich darüber gefreut.

Auf dem Cover von ›Blogging Queen‹ steht zwar nur mein Name, aber beim Betrachten des fertigen Buchs empfinde ich tatsächlich eine Art Gemeinschaftsgefühl. Ich würde die Aktion (dann gern ohne äußere Katastrophen!) jederzeit wiederholen. Und ja, auch ich hätte Lulus Blog (vor allem die Fotos!) gern im Netz.

Aber bei mir liegt ja schon wieder das nächste Projekt auf dem Tisch: Der 4. Band der Kühlfach-Serie will geschrieben werden. Leider konnte zum Thema »Toter Ermittler« bisher keine qualifizierte Community zum Probelesen aufgespürt werden …

 Jutta Profijt

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