Jutta Profijt:
Leben in der WG

Jutta Profijt: Leben in der WG

Jutta Profijts neuer Roman ›Allein kann ja jeder‹ ist ein herrlich turbulenter Mehrgenerationen-Roman rund um eine besetzte Villa. Wir haben die Autorin gebeten, uns von ihren eigenen WG-Erfahrungen zu berichten. Trotz eindrücklich bleibender Erinnerungen an verwahrloste Gemeinschaftsräume findet sie: Gemeinsam macht’s mehr Spaß!

»Nein, ich habe nie selbst in einer klassischen WG gelebt. Aber gekocht – und das war schlimm genug. In Frankreich, wo ich 1986/1987 lebte, gab es eine Firma, die immer wieder Mitarbeiter aus dem Ausland für mehrere Monate beschäftigte, meist Briten. Um diese überwiegend jungen Leute unterzubringen, besaß die Firma ein großes Einfamilienhaus mit fünf Schlafzimmern. Der besondere Vorteil dieses Arrangements war, dass der Aufenthalt in dieser WG die Bewohner nichts kostete. Wollte ein Mitarbeiter die Annehmlichkeiten eines Hotels nutzen, musste er selbst zahlen. Kein Wunder, dass das Haus immer voll war.

Ich selbst wohnte ganz in der Nähe und hatte eine sehr nette Clique von ebenfalls hauptsächlich Englisch sprachigen Freundinnen. Logisch, dass wir uns in der kleinen Stadt irgendwann alle über den Weg liefen und uns näher kamen. Und so trafen wir uns häufig in dem Haus, das genug Platz bot, um für zehn Leute zu kochen und gemeinsam zu essen.

Problematisch war, dass die WG-Bewohner selbst ihre Bude nicht in Ordnung hielten. Üblicherweise befand sich das gesamte Geschirr in unterschiedlichen Stadien der Verschmutzung auf allen möglichen Ablageflächen. Wollten wir also dort kochen, war erstmal eine Grundreinigung nötig. Nach dem Essen hatte niemand mehr Lust zu spülen und kamen wir eine Woche später wieder zusammen, konnten wir noch die Reste vom vorangegangenen Wochenende in den Töpfen finden. Seitdem habe ich ein angespanntes Verhältnis zur Gemeinschaftsnutzung von Küchen.

Diese Abneigung unterdrücke ich häufig auf Fernwanderungen. Diese Art des Urlaubs gefällt meinem Mann und mir seit vielen Jahren so gut, dass wir sie in vielen Gegenden praktizieren. Wir wandern im Bergischen Land, dem Westerwald und der Eifel, in Belgien, Frankreich, Luxemburg und Großbritannien. Wenn man dreihundert Kilometer (z.B. von Cardiff nach Liverpool oder von Carcassonne nach Navacelles) zu Fuß läuft, muss man an Übernachtungsmöglichkeiten oft nehmen, was gerade da ist. Das sind häufig Hostels oder Matratzenlager – Gemeinschaftsschlafsaal und Rudelkochen inklusive. Nach jedem dieser Urlaube freue ich mich wieder über mein eigenes Bett, meine eigene Küche und mein eigenes Bad – in dieser Reihenfolge.

Zuhause lebe ich seit fünfundzwanzig Jahren in der kleinsten denkbaren Wohngemeinschaft mit meinem Mann. Er lässt mich beim Kochen in Ruhe, ich ihn beim Spülen. Auf diese Art kommen wir prima miteinander aus. Sogar so gut, dass wir auch die nächsten fünfundzwanzig Jahre gemeinsam verbringen wollen. Ob wir das durch besonders viel Toleranz oder durch besonders strikte Regelungen von Grenzen und Freiheiten erreichen, verrate ich an dieser Stelle nicht. Nur so viel: Ich lebe gern mit anderen Menschen zusammen, manchmal auch mit vielen, sogar mit Unbekannten und gelegentlich sogar mit gemeinsamer Küchennutzung. Denn: Allein kann ja jeder – aber gemeinsam macht’s irgendwie mehr Spaß.«

Jutta Profijt

Allein kann ja jeder ist als Klappenbroschur und eBook erhältlich:

Jutta Profijt
Allein kann ja jeder

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