Lorenza Gentile: Teo

Brief an die deutschen Leserinnen und Leser

Lorenza Gentile

Liebe Leserinnen und Leser,

ihr alle wart einmal ein Kind, aber wie viele von euch wissen noch, wie das war? Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie es war, als ihr auf den Zehenspitzen stehend versucht habt, das höchste Regalbrett zu erreichen? Oder versucht habt, die Ideen der Erwachsenen zu verstehen, die sie selber nicht erklären konnten? 36. extra drawing - Napoleon hatHeimlich Schokolade zu essen oder vom Sitznachbarn abzuschreiben? Wisst ihr noch, wie ein sonniger Tag jeden Streit weggewischt hat? Wie schön es war, in die geöffneten Arme eurer Mutter zu laufen? Und wie kompliziert die Welt immer schien? Könnt ihr euch noch an all die Fragen erinnern, die in eurem Kopf umherschwirrten, und wie flüchtig die Antworten waren?

TeoAber…

Moment.

Was wäre, wenn du damals mehr wusstest als die Erwachsenen, ohne dass du dir dessen bewusst warst? Wenn du der Wahrheit viel näher warst als sie?

Ich schrieb ›Teo‹ aus einer Notwendigkeit heraus. Ich glaubte, dass der Tod nicht das Ende von allem sein konnte. Ich bezweifelte, dass nichts bleiben würde, dass alles einfach verschwindet. Ich wusste, Energie kann sich nicht im Nichts auflösen, sondern sie wird ständig erneuert. Ich tauchte ein in die Theorien großer Philosophen, großer Denker und Schriftsteller, und trotzdem… fehlte etwas. Ich suchte nach einem Weg, dem Tod mehr Bedeutung zu geben, und damit auch dem Leben. Als ich schon die Hoffnung verloren glaubte, wusste ich plötzlich, was der wahre Schlüssel zu diesem Geheimnis war. Nur die Klarheit und Reinheit eines Kindes konnten mir helfen, die richtigen Antworten zu finden!Lorenza

Das konnte nicht irgendein Kind sein. Es musste Teo sein.
Nachdem das Buch in Italien veröffentlicht worden war, entwickelte es ein Eigenleben. In den Händen meiner Leser wurde es zu einer Komödie, einer schwarzen Komödie, einer Tragödie, einem zeitgenössischen Märchen, einem »Kleinen Prinzen«, einer philosophischen Allegorie. Jeder Leser liest sein eigenes Buch. Daher möchte ich auch keine bestimmte Lesart vorgeben, das Einzige, was ich sagen kann, ist: Lernt Teo kennen und ich hoffe, ihr werdet es nicht bereuen!

Herzlich,
Lorenza

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