Realität oder Fiktion?

›Mord in Babelsberg‹ von Susanne Goga taucht in das Berlin der 20er-Jahre ein

Susanne Goga: Mord in BabelsbergLeo Wechsler, seines Zeichens Kommissar im Berlin der 20er-Jahre, bekommt es auch im vierten Teil der Krimiserie von Susanne Goga wieder mit einem komplexen Fall zu tun, der viel über das historische Berlin verrät. Wussten Sie, dass es auch für die ungewöhnlichsten Figuren und Orte im Roman reale Vorbilder gibt, deren Spuren bis heute sichtbar sind? 

›Mord in Babelsberg‹ – Der vierte Fall für Leo Wechsler

Berlin 1926. Im Hof einer eleganten Wohnanlage in Kreuzberg wird die Leiche einer Frau entdeckt, diemit einer Scherbe aus rotem Glas erstochen wurde. Kommissar Leo Wechsler muss am Tatort erkennen, dass es sich bei der Toten um Marlen Dornow handelt, zu der er vor Jahren eine sehr persönliche Verbindung hatte. Er erzählt niemandem davon, auch nicht seiner Frau Clara, sondern stürzt sich verbissen in die Ermittlungen.

Wie sich herausstellt, hatte Marlen sich von wohlhabenden Männern aushalten lassen, zuletzt von einem Politiker, der ein enger Mitarbeiter des Außenministers Gustav Stresemann ist. Kurze Zeit später gibt es einen zweiten Toten: Viktor König, ein gefeierter Regisseur, wurde nach der Premiere seines großen Films über den sogenannten »Magier von der Pfaueninsel« ebenfalls mit einer roten Glasscherbe erstochen…

Die Emdener Straße in Berlin-Moabit

Tatortfoto Leo Wechsler
Die Emdener Straße in Berlin-Moabit

In der Emdener Straße wohnt Leo Wechsler. Fürsorglich hat er sich seit dem Tod seiner Frau um die Kinder Marie und Georg gekümmert und ist jetzt zum zweiten Mal glücklich verheiratet. Seiner einstigen Geliebten Marlen, die von Bekanntschaften mit wohlhabenden Männern lebte, wird ihre letzte Liaison zum Verhängnis – sie wird mit einer roten Glasscherbe erstochen.

»Leo ging das letzte Stück zu Fuß. Dabei kam ihm ein ähnlich schöner Abend in den Sinn, der fast auf den Tag genau vier Jahre zurücklag. Er war in die Emdener Straße gebogen, Marie war ihm entgegengelaufen, und er hatte ihr die Zuckerstange gegeben, die Fräulein Meinelt ihm für sie geschenkt hatte. Damals war er ein Witwer mit einer Geliebten gewesen, die er sporadisch traf, wenn sie Lust aufeinander hatten. Heute war er ein verheirateter Mann, der den Tod jener Geliebten untersuchte. Er wusste eigentlich sehr wenig über sie. Sie war ein Mensch gewesen, der niemanden dicht an sich heranließ.«

Die Pfaueninsel im Wannsee

Tatortfoto Leo Wechsler
Das Schloss Pfaueninsel

Auch wenn es ihn noch so sehr aus der Bahn wirft, Leo Wechsler muss im Mordfall der Marlen Dornow ermitteln. Schnell führen ihn die Spuren zur Pfaueninsel im Wannsee, wo der Regisseur Viktor König seinen neuesten Film gedreht hat. Doch Leo stellt fest, dass sich hier noch ganz andere Dinge abgespielt haben:

»›Waren Sie die ganze Zeit über im Atelier?‹ Die junge Frau schüttelte den Kopf. ›Wir sind irgendwann im Auto gefahren. Eine ganze Weile. Dann mit dem Boot. Wir waren draußen. Es war warm. Wasser und Bäume.‹ Die Pfaueninsel. Ihm lief die Zeit davon.

Er holte ein Foto aus der Tasche. ›Kennen Sie den Mann?‹ Sie nickte und kniff die Augen zu, als wollte sie das Gesicht nicht länger sehen. ›Er war da. Auf der Insel.‹ ›Und was ist auf der Insel passiert?‹ Sie reagierte so rasch, dass Leo sie nicht zurückhalten konnte. Sie stürzte zur Tür und prallte im Flur mit Hartung zusammen. Er hielt sie fest, sie widersetzte sich nicht. Flucht, nicht Kampf, war ihr Ziel gewesen. Sie sank gegen seine Brust.«

Johannes Kunckel von Löwenstern

Tatortfoto Leo Wechsler
Der Gedenksetin für Johannes Kunckel von Löwenstern auf der Pfaueninsel

Der erfolgsverliebte Regisseur Victor König fällt ebenfalls der roten Glasscherbe zum Opfer. Ein Zufall, dass der Protagonist des Films, Johann von Kunckel von Löwenstern, ein sagenumwobener Glasmacher auf der Pfaueninsel war? König hatte von Löwensterns Geschichte noch mit dramatischen Worten der Berliner Gesellschaft schmackhaft gemacht:

»›Johann Kunckel von Löwenstern, Wissenschaftler und Scharlatan, Alchemist, Apotheker und Glasmacher. – Elly.‹ Er streckte ihr mit einer fließenden Bewegung die Hand hin und hielt gleich darauf eine goldene Kugel in die Höhe. Ein Raunen ging durch den Raum. ›Man erzählt sich, der Kurfürst von Sachsen habe ihm tausend Taler im Jahr geboten, damit er Gold für ihn herstellte. Später trat er in die Dienste des Großen Kurfürsten von Brandenburg, der ihm die Pfaueninsel schenkte. Eine Insel, deren eigene Geschichte schon geheimnisvoll ist. Man hat dort Schmuckstücke aus uralter Zeit gefunden. An diesem Ort stellte Kunckel kostbares Glas her, während die Menschen in der Umgebung an Hexenwerk glaubten, weil dunkler Rauch und seltsame Gerüche ans Ufer herüberwehten.‹«

Leo Wechslers weitere Fälle:

Susanne Goga
Leo Berlin
Susanne Goga
Tod in Blau
Susanne Goga
Die Tote von Charlottenburg

Alle Bilder: Susanne Goga

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.