Stefanie Schnitzler: Land & Lotte

Die Autorin über ihr Buch und das heilsame Wesen des Reisens

Die Theaterpädagogin und Dramaturgin Stefanie Schnitzler hat sich zusammen mit ihrem eigensinnigen Pferd Lotte auf den Weg durch die deutsche Provinz gemacht. Ihre Erlebnisse hat sie in ›Land & Lotte‹ festgehalten … Im Nachwort erzählt sie unter anderem, wie sie auf ihrer Reise vom Ehrgeiz zur Langsamkeit gefunden hat:

Wege und Ziele stehen in geheimnisvoller Beziehung zueinander. Diese Erkenntnis ist nicht neu, schon Konfuzius wusste das. Und auch ich habe während meiner Wanderung mit Lotte herausgefunden, wie es sich anfühlt, wenn der Weg zum Ziel wird. Ich stellte fest, dass ich mich auf meiner Tour immer weiter von dem entfernte, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Ehrgeiz und Reisen sind nicht miteinander vereinbar.

Schnitzler, Land & LotteMein ursprünglicher Plan war, mit Lotte zwölf Bundesländer zu durchreiten und in fünf Monaten etwa 3000 Kilometer zurückzulegen. Am Ende der Reise war ich knapp sechs Monate unterwegs gewesen, hatte nicht ganz die Hälfte der geplanten Strecke geschafft und war nicht ein einziges Mal auf mein Pferd aufgestiegen. 1350 Kilometer haben wir beide Schritt für Schritt miteinander erwandert. Auf jeden einzelnen bin ich stolz, denn Lotte und ich haben dabei die Langsamkeit entdeckt.

Und das ist nicht zuletzt Lotte zu verdanken. Ein Pferd, das sich weigert, eine Reiterin mit Gepäck zu tragen, passt doch hervorragend zu einer Theaterfrau, die sich weigert, eine Sechzigstundenwoche hinzunehmen. Wenn beide sich gegenseitig daran erinnern, was zu schwer, zu schnell oder zu lange ist, kommen sie einem genussvollen Reisen schon sehr nahe. Was heißt das konkret?

So zu reisen, wie wir es getan haben, heißt, sich dem Fremden auszusetzen. Es heißt, unbekannten Menschen, Orten, Landschaften zu begegnen und auf Hilfe und Gastfreundschaft angewiesen zu sein. Und solche Begegnungen zu sammeln wie Schätze. Mit einem Pferd einen Weg zurückzulegen bedeutet allein zu reisen, ohne einsam zu sein. Ein Pferd ist ein wunderbarer Reisebegleiter. Es trägt das Gepäck, man selbst die Verantwortung.

Durch das eigene Land zu reisen heißt auch, sich auf die Suche nach seiner Heimat zu machen. Es heißt, das Bekannte neu zu entdecken und den Blick zu schärfen für Eigenheiten, Details und Unterschiede. Der Zufall spielt dabei eine wichtige Rolle, denn man weiß ja nie im Voraus, wem man begegnen wird. Reisebegegnungen sind nicht planbar. Sie ereignen sich, wenn man sie zulässt …

Weiterlesen? Das komplette Nachwort als PDF gibt es hier!

 

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