Jussi Adler-Olsen: TAKEOVER. Und sie dankte den Göttern

Ein paar Hintergrundinformationen des Autors

9783423280709

Sehr kleines Wörterbuch

Meneer (niederl.): Herr
Mevrouw (niederl.): Frau
Bahmihapje: Frittierte Krokette mit Nudeln (holländisch/ indonesisch)
Nasihapje: Frittierte Krokette mit Reis (holländisch/ indonesisch)
Peschmerga: kurdisch für die irakisch-kurdischen Kämpfer der Demokratischen Partei Kurdistans; hergeleitet aus dem Kurdischen, bedeutet »die dem Tod ins Auge Sehenden«

Reale Personen, die im Roman erwähnt werden:

Bill (William Jefferson) Clinton: amerikanischer Präsident 1993-2001. Am 19.08.1996 wurde er fünfzig Jahre alt. Seit 1975 mit Hilary Rodham Clinton verheiratet.

Bob (Robert Joseph) Dole: Clintons republikanischer Gegenkandidat und Verlierer der Präsidentschaftskampagne 1996; Senator, Kriegsveteran und Kriegsverletzter

Jacques Chirac: Bürgermeister von Paris (1977-1995), danach, bis 2007, französischer Präsident

Saddam Hussein (1937-2006): (ehemaliger) irakischer Präsident; In den 1970er Jahren Vizepräsident

Ken (Kenule Beeson) Saro-Wiwa (1941-1995): nigerianischer Schriftsteller, Bürgerrechtler und Vorkämpfer für den Umweltschutz. Angehöriger des Ogoni-Volks. Entschiedener Gegner der Shell-Bohrungen im Nigeria-Delta. Die Anklage auf Mitschuld am Mord von vier Ogoni-Führern führte im November 1995 zu seiner Hinrichtung zusammen mit acht anderen Umweltkämpfern. Sein Tod löste massive internationale Proteste aus. Danach startete Shell trotz des verstärkten Widerstands ein vier Milliarden Dollar Naturgas-Bohrprojekt.

George Orwell (1903-1950): britischer Schriftsteller (Farm der Tiere, 1984)

Richard Clayderman: populärer Pianist mit Pop-Repertoire

Daniel Barenboim: argentinisch-israelischer klassischer Klaviervirtuose und Dirigent

Yehudi Menuhin (1916-1999): bedeutendster Violinist des 20. Jahrhunderts

Masud Barzani: Führer der kurmanji-sprechenden Demokratischen Partei Kurdistans, DPK; Sohn des Mustafa Barzani, des ersten Führers der kurdischen Revolution

Dschalal Talabani: Führer der pro-iranischen sorani-sprachigen Splitterpartei PUK, der Patriotische Union Kurdistans

John (Malchase David) Shalikashvili (1936-2011): (ehemaliger) Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs der Streitkräfte der Vereinigten Staaten

Sinterklaas alias Sint Nicolaas: ein Bischof, der, wie der Nikolaus in Deutschland, Geschenke verteilt, allerdings schon am 5. Dezember. Sein Begleiter ist traditionell der Zwarte Pied.

Abd ar-Razzaq an-Naif (1934-1978): wurde vom türkischen Geheimdienst am zehnten Jahrestag seiner Flucht aus dem Irak getötet.

Raymond Thuillier: (ehemaliger) Bürgermeister von Les Baux-de-Provence und Küchenchef des Sterne-Restaurants L’Oustau de Baumanière

Kenneth R. Timmerman schrieb The Death Lobby.

Oberst Ronnie Lewis und Verteidigungsattaché John Zalewski wurden beide 1996 an die amerikanische Botschaft in Den Haag entsandt.

Dr. Ahmad Dschalabi: INC-Führer im Exil; versuchte vergeblich den Fall der vielen tausend Mitglieder des irakischen Nationalkongresses, INC, die in Kurdistan festgehalten wurden, auf die Titelseiten der Zeitungen zu bringen.

Wafiq Hamud al-Samarrai: früherer Vizedirektor des irakischen Nachrichtendienstes, der vergeblich versuchte, im Irak einen Staatsstreich in Gang zu setzen.

Megawati Sukarnoputri: Oppositionsführerin in Indonesien und Tochter von Sukarno, der die Unabhängigkeit Indonesiens von den Niederlanden erreichte.

John Mark Deutch: 1995-1996 Chef der CIA.

Johannes Paul II (1920-2005): Papst von 1978 bis zu seinem Tod 2005; als Karol Wojtyła in Polen geboren; der erste nicht-italienische Papst seit 1522

Salvador Allende (1908-1973): (ehemaliger) chilenischer Präsident; wurde 1973 gestürzt und ermordet

Bob Marley (1945-1981): jamaikanischer Reggae-Musiker

Eine Auswahl authentischer Begriffe und Begebenheiten, die im Roman benutzt oder erwähnt werden:

Das Treffen zwischen Jacques Chirac und Saddam Hussein in Les Baux-de-Provence. Die Absprache, der Stierkampf, die Einquartierung im L’Oustau de Baumanière: Alles hat sich wirklich zugetragen.

Der Konflikt zwischen PUK- und DKP-Kurden spitzte sich am 31.08.1996 zu, als der Irak auf Ersuchen von Massud Barzani Arbil besetzte. Massenhinrichtungen in Arbil, Taqtaq, Chamchamal und Suleymaniya.

Barzanis Reise in die Türkei.

Newroz. Das Neujahrs- und Nationalfest wird in der Zeit vom 21. März, dem ersten Tag im kurdischen Kalender, bis Anfang April gefeiert. Eine Tradition, die älter ist als der Islam, und im Medischen Reich, das 625 v. Chr. gegründet wurde, ihre Wurzeln hat. Ein Lichterfest für Einheit und Freiheit mit Tanz und Gesang auf den Berghängen, um den Wunsch nach einem unabhängigen Staat zu symbolisieren. Der 21. März ist ein bewegter Tag in der Geschichte der Kurden. An diesem Tag fand 1925 ein Aufstand statt. Der Gefangenenaufstand am selben Tag im türkischen Diyarbakir-Gefängnis 1982 und 1983 kostete viele Tote. In der Türkei, wo der Gebrauch des Buchstabens »w« unbeliebt ist, buchstabiert man den Tag Nevruz oder Nevros.

Das Interview am Gedenkpark mit dem Mann, der den Hund ausführte, dem Vater von drei in der Bijlmermeer-Katastrophe getöteten Kindern, ist ebenfalls authentisch.

Die Sonderbestimmung des Schiphol-Flughafens im Hinblick auf EL-AL-Frachtflüge tritt nach dem Sechstagekrieg 1967 in Kraft.

Der Sandoz-Fall. Ein großer Zyanid-Austritt und andere Abfall-Chemikalien der Schweizer Firma verursachten 1986 eine katastrophale Verunreinigung des Rheins. Erst viel später hat sich herausgestellt, dass die Stasi, der ostdeutsche Geheimdienst, dahinterstand. Der Auftrag kam vom sowjetischen Nachrichtendienst KGB, um die Weltaufmerksamkeit von der Tschernobyl-Katastrophe, die sich ein halbes Jahr zuvor zugetragen hatte, abzulenken.

Q8-Pressemitteilung über Nahrungsmittel.

Installation von Personal, das vom CIA rekrutiert wurde, in Suleymaniya und Salahuddin samt Internierung der 200 CIA-Sympathisanten im Hotel Alkadra in Salahuddin. Später wurde ein Teil dieser Internierten nach Guam überführt, wohin zuvor auch 2100 Türken mit ihren Familien überführt worden waren.

Der kurdische Hilfsarbeiter, der mit Benzin übergossen wurde und den man später wegen eines Selbstmordversuchs anklagte.

Bei Saddam Husseins Zyanidbombenangriff auf die kurdische Stadt Halabja im März 1988 wurden 4000 Menschen getötet.

Brent-Spar-Affäre. Shell wollte 1995 eine ausrangierte Ölplattform im Atlantik versenken. Der Druck der Bevölkerung und der Umweltorganisation Greenpeace mit dem Boykott der Shell-Tankstellen in Deutschland, England, Dänemark, Holland und der Schweiz verhinderten das.

Geiselnahme der Molukker in Beilen im Dezember 1975 bzw. eine entsprechende Kaperung im Sommer 1977.

Bombardierung des Siranband-Flüchtlingslagers am 19.9.1996.

Operation Wüstensturm 1991 nach der irakischen Besetzung von Kuwait im Kampf um die Kontrolle über das Öl, die Förderung und die Ölpreise.

Die Katastrophe im Heysel-Stadion 1985, wo zahlreiche Juventus-Anhänger umkamen, weil sie von englischen Hooligans gegen eine Mauer gedrückt wurden.

Die portugiesische Kolonisierung der Molukken-Insel Seram.

Saddams Kanonenherstellungsskandal.

Die irakischen Strafdekrete, unter anderem das Brandmarken, gibt es noch immer und sie werden immer noch praktiziert.

Das Unglück von Bijlmer:
Nach dem Hochhausgebiet Bijlmer(meer) im Südosten Amsterdams benannt.
Am 4. Oktober 1992 um 18.36 Uhr stürzte eine israelische El-Al-Jumbo-Frachtmaschine mit Ziel Tel Aviv vierzehn Minuten nach dem Start frontal ins Kruitberg-Gebäude, eines der vielen Betonhochhäuser in Bijlmermeer. Das Gebäude wurde wie gezweiteilt. Wie viele Menschen in der Flammenhölle umkamen, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, denn in der Gegend lebten viele illegale, nicht registrierte Menschen. Die genannten Zahlen schwanken zwischen 43 und 300. Auch die Besatzung kam ums Leben. Das Chaos war unbeschreiblich,  Menschen verbrannten bei lebendigem Leib, sprangen verzweifelt von den Balkonen in den Tod. In der Zeit nach dem Unglück klagten die Bewohner des Hochhausgebiets über unerklärliche Krankheiten, und sofort setzten Spekulationen über die Umstände des Absturzes und die Fracht des Flugzeugs ein. Mit der Zeit wurde immer klarer, dass alle Beteiligten, auch die holländischen Behörden, etwas zu verbergen haben mussten. In der Katastrophennacht hatten nicht identifizierte Männer in weißer Kleidung Gegenstände vom Wrack eingesammelt. Es wird vermutet, dass ungefähr 20 Tonnen Fracht von der Unglücksstelle verschwunden sind. Eine Erklärung gibt es nicht. Unbestätigten Vermutungen zufolge waren unter den Männern, die am Unglücksort Material einsammelten, auch israelische Mossad-Agenten.
Viele Faktoren deuten darauf hin, dass es sich nicht um einen normalen Absturz handelte, unter anderem folgende:

Die Blackbox, die die Umstände eines Absturzes aufzeichnet, blieb unauffindbar. Das ist bei einem Boing 747-Absturz noch nie passiert.
Die Behörden erklärten, dass der Absturz keine Gesundheitsgefahr bedeutete, trotzdem riss man das Gebäude vollständig ab und reinigte das Grundwasser der Umgebung.
Die weißen Anzüge, die man im Absturzbereich sah, wurden als Dräger-Schutzanzüge identifiziert. Diese Anzüge sind unzweckmäßig bei hohen Temperaturen, dafür schützen sie gut vor gefährlichen Chemikalien.
Nach geraumer Zeit wurde bekannt, dass EL AL seit dem Sechstagekrieg über einen geschlossenen Bereich auf dem Flughafen Schiphol verfügt, was bedeutete, dass es Israel möglich war, große Gütermengen, darunter Waffen, außerhalb der strengen Kontrollen des Flughafens zu transportieren.
Abweichend von dem üblichen Vorgehen wurden die Frachtbriefe weder in der Unglücksnacht vorgelegt, noch bestand man später auf Einsicht. Erst nach vier Jahren erhielt das holländische Parlament die Dokumente, die aber größtenteils unleserlich waren.
In einem Schadensersatzprozess wurden andere Dokumente vorgelegt als diejenigen, die das Parlament zuvor erhalten hatte.
Ein Bewohner des Hochhausgebiets fand am Absturzort Frachtpapiere, die ein Amsterdamer Fernsehsender bei der Übergabe an die Polizei filmte. Wenige Tage später waren die Dokumente verschwunden.
In einem Bericht kamen 51 Ärzte zu dem Ergebnis, dass 300 Menschen in der Umgebung infolge des Flugzeugabsturzes erkrankt waren und dass sich weitere 400 geschwächt zeigten. Es wurden etliche Symptome für die Strahlenkrankheit registriert.
1998 wurde nachgewiesen, dass die Fracht unter anderem auch DMMP, Dimethylmethylphosphat, enthalten hatte, das zur Herstellung des tödlichen Nervengases Sarin gebraucht wird. Sarin wurde z. B. 1995 beim Giftangriff in Tokio eingesetzt und 1988 von Saddam Hussein bei seinem schändlichen Angriff auf die kurdische Stadt Halabdscha.
Die israelische Regierung hat sich nie zu den Kontroversen über den Absturz geäußert, obwohl man jetzt mit einiger Sicherheit sagen kann, dass die 240 Kilogramm des oben erwähnten DMMP bei weitem die Menge überstiegen, die für Forschungszwecke notwendig wäre. Das DMMP stammte von der amerikanischen Firma Solkatronic Chemicals Inc., Fairfield, New Jersey, und sollte an das israelische Institut für biologische Forschung geliefert werden, dem Zentrum der israelischen Forschung für chemische und biologische Waffen.
In der Unglücksnacht war keine besondere Schutzkleidung erforderlich, aber sie wurde nötig, als später mit den Wrackteilen hantiert wurde.
Die Ursache des Absturzes wurde nie vollständig aufgeklärt. Man vermutet, dass die Maschine die Triebwerke drei und vier verlor, und argumentiert, dass eine Zwillingsmaschine (Boing baut seine Jets immer paarweise) 747-200F der China Airlines dieselben Triebwerke nach ungefähr derselben Flugstundenzahl verloren hatte. Inzwischen bestehen große Zweifel, ob die beiden Flugzeuge tatsächlich Zwillingsflugzeuge waren. Vielmehr zeigen schriftliche Stellungnahmen, dass ein Flugzeug 1979 gebaut wurde und das andere 1980. Luftkapitän Yitzhak Fuchs’ Notsignale verwiesen darauf, dass ein Brand in einem Triebwerk ausgebrochen war.
Augenzeugen schildern, dass in den Stunden nach dem Absturz eine große Menge Fracht auf ein gechartertes israelisches Hapag-Lloyd-Jetfrachtflugzeug verladen wurde. Obwohl die holländischen Behörden es jahrelang bestritten, wurde später bekannt, dass das Flugzeug konventionelle Waffen, Nervengas-Komponenten und Parfüm transportierte. Das Übergewicht war so offensichtlich, dass die Behörden den Piloten baten, einen Teil der Güter zu entladen, was dieser auch veranlasste.
Fotos, die den Unglücksort unmittelbar nach und dann wieder zwei Stunden nach der Katastrophe zeigen, dokumentieren, dass in der Unglücksnacht ein enormer Berg von Metall- und Wrackteilen verschwand.
In den Heckflügeln des Unglücksflugzeugs wurden 282 Kilogramm abgereichertes Uran gefunden, was zum damaligen Zeitpunkt ein gebräuchliches Gegengewicht war. Doch standardmäßig hätten es für diese Flugzeuge 325 Kilogramm sein sollen, gewisse Quellen behaupten sogar bis zu 1200 Kilogramm. Dieses Wissen war bis ein Jahr nach dem Unfall inoffiziell. Einige Quellen geben an, dass aus unerklärlichen Gründen mindestens 152 Kilogramm abgereichertes Uran nach dem Unglück verschwunden sind. Verschiedene Untersuchungen haben nachgewiesen, dass ein Verlust dieser Größenordnung nicht von einem Brand verursacht worden sein kann, während andere im Gegenzug behaupten, es wäre bei Temperaturen über 1200 Grad doch möglich gewesen. Jedoch bedeute dieser Prozess eine große Gefahr für alles Leben in der Umgebung. Der holländische Flugsicherheitsausschuss RDL hatte Kenntnis von dem abgereicherten Uran, schwieg aber, um keine Panik auszulösen. Bei direkten Anfragen der Journalisten wurde verneint, dass das Flugzeug ein derartiges Gegengewicht hatte. Selbst am dritten Tag nach dem Unglück waren die Rettungsarbeiter an der Unglücksstelle noch nicht über dieses Risiko informiert. Doch verlautete aus gewissen Quellen, dass die KLM-Leute vor Ort vom ersten Tag nach dem Unglück in ähnlichen weißen Anzügen gesehen wurden, wie sie gleich nach dem Absturz an der Unglücksstelle getragen wurden.
Nach dem Unglück wurde eine Untersuchung über die Gefahren mit abgereichertem Uran als Ballast im Falle eines Absturzes eingeleitet. Diese Untersuchung führte nie zu einem klaren Ergebnis.
Ein Giftexperte erklärte später, dass die EL-AL-Boing wegen ihrer giftigen Fracht nicht die Möglichkeit gehabt hätte, im Meer zu landen. Die Fracht hätte auf Berührung mit Wasser reagiert. Ein Brand würde aber keinen größeren Schaden anrichten.
Es wurde harsche Kritik geübt, unter anderen an:
Gesundheitsministerin Els Borst (Democraten 66), weil sie einen Rapport über die Gesundheitsprobleme bei den Rettungsarbeiten an der Unglücksstelle verzögert hat.
Wirtschaftsministerin Annemarie Jorritsma (VVD), weil sie eine interne Notiz über abgereichertes Uran und andere Gesundheitsrisiken als wissenschaftliche Untersuchung präsentierte, und alle Fragen zur Verwaltung der EL-AL-Frachten als irrelevant bezeichnete.
Ministerpräsident Wim Kok (PvdA), weil er seine Informationen über das Bijlmermeer-Unglück nicht mit anderen Ministerien koordinierte und auch den Signalen aus der Öffentlichkeit keine Beachtung schenkte.
Eine parlamentarische Untersuchungskommission wurde erst 1998 eingesetzt und die Anhörungen fanden von Januar 1998 bis März 1999 statt.

Dem Komitee ist es nicht gelungen, die Spekulationen über die Absturzursache und Umstände sowie über die Zusammensetzung der Fracht und ihre Auswirkungen zu beenden.

Jussi Adler-Olsen

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