Thomas Glavinic: Wie man leben soll

Ab 7. Oktober in Österreich im Kino

Davon, ›Wie man leben soll‹ hat Charlie, der Antiheld von Thomas Glavinics gleichnamigen Roman keine Ahnung. Und so kämpft er sich durch Liebe, Nebenjobs und andere Katastrophen. Am Montag feiert die gleichnamige Kinoverfilmung in Wien Premiere.

Wenn man jung ist und ein Mann, dann kann es sein, dass man nur zu drei Prozent ein Draufgänger und zu 97 Prozent ein Schulterzucker, ein Sitzer ist. Zumindest, wenn man zu einer Generation gehört, die nicht so recht weiß, ›Wie man leben soll‹. Woher und von wem sollte man das auch wissen, wenn man, wie Karl »Charlie« Kolostrum, Teil einer überspannten Familie ist und eine Mutter hat, deren Neigung zum Alkohol und zu promiskuitivem Sex schon früh den Vater verjagte. Wenn man also, kurz gesagt, sich selbst überlassen und nur mit der eigenen Person und deren Wirkung beschäftigt ist, dann braucht man auch eigene Lebensregeln, und zwar in so ziemlich jeder Hinsicht.

Da wäre zunächst natürlich die Liebe, denn man braucht eine Freundin, um überhaupt zur Geltung zu kommen. Auch den Intellekt sollte man nicht unterschätzen, hier kommt die Kunst des Scheins vor allem Sein. Unabdingbar ist außerdem die Frage nach den finanziellen Ressourcen, schließlich wird die 97-jährige Tante, die einen immer so großzügig versorgt, nicht ewig leben. Mit dem Reifezeugnis in Händen wird’s allerdings erst richtig kompliziert, vor allem deshalb, weil man noch immer die meiste Zeit sitzt: als Student der Kunstgeschichte unter lauter schönen Frauen, als Taxifahrer im Auto, um Geld zu verdienen, vor dem Computer des Mitbewohners, um zu spielen, und am Küchentisch der WG, um zu essen.

Dem ebenfalls sitzenden Leser wie auch dem sitzenden Kinobesucher wird dank dieser Komplikationen eines aber auf keinen Fall: langweilig.
Denn nicht zuletzt dank der vielen überraschenden, filmischen Raffinessen gelingt es Regisseur David Schalko, den sprachlichen Witz von Thomas Glavinics Roman ›Wie man leben soll‹ auch im gleichnamigen Film pointiert und mit dem nötigen wiener Schmäh zur Geltung zu bringen.

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