Und plötzlich waren wir Verbrecher

Dorothea Ebert & Michael Proksch

Das Leben in der ehemaligen DDR bedeutete für die Geschwister Dorothea Ebert und Michael Proksch nicht nur ein Leben hinter physischen Mauern: »Das öffentliche Leben wirkte verkrampft und ausgetrocknet. Wenig Lebendiges, Spontanes, Sprühendes gab es, dafür viel Kleinmut.« Und auch das eigene berufliche Vorankommen sehen die beiden Musiker von dem alles überwachendem System bedroht: »Die eigenen Bestrebungen nach musikalischer Entwicklung und Betätigung würden immer wieder an die Grenzen eines Systems stoßen, dessen Gesetzmäßigkeiten mir unverständlich waren. Dieser Gedanke war mir unerträglich.«

1983 beschließen die beiden zu fliehen, die Familie und Freunde wissen nichts von ihrem Plan. Gemeinsam mit Dorotheas Mann und einem befreundeten Kunststudenten versuchen sie, zu Fuß über die bulgarische Grenze nach Jugoslavien zu gelangen. Doch der Fluchtversuch scheitert und die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung endet für die vier hinter Gittern. Zur Jahreswende 1984/85 werden sie von der Bundesrepublik freigekauft.

Hier geht’s zur Leseprobe

In unserem Video sprechen Dorothea Ebert und Michael Proksch über ihre Flucht und ihr Buch.

Ein Kommentar zu “Und plötzlich waren wir Verbrecher

  • 7. November 2010 um 00:24
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    Ich sah und hörte euch,als ihr beim NDR Schleswig-Holstein ward. Ich bin Jahrgang 56 und bin im \Westen\ geboren. Mein Vater kam aus der ehemaligen DDR. Seine Mutter lebte dort, und wir sind jedes Jahr in den Sommerferien zu ihr gefahren. Ich liebte meine Großmutter sehr und habe nur gute Erinnerungen an sie und das \einfache\ Leben dort,z B. für Brot und Brötchen entweder lange anstehen oder nichts mehr zu bekommen. Diese schwierigen Reisen mit nicht enden wollenden Kontrollen an der Grenze usw. und so fort hat mir immer wieder zu schaffen gemacht!!! Die Angst, etwas verkehrt zu machen bei der Ein- oder Ausreise war schon \sehr, sehr heftig\!!!!!! Ich habe während dieser vielen Jahre der Ein-und Ausreise so viele \unschöne\ Erlebnisse gehabt, so viel von Dingen gehört, wie ihr sie habt erfahren müssen, dass ich euch sehr gut verstehen kann! Das Erlebte wird nie \verschwinden\! Man kann nur versuchen, Kraft aus Erlebtem zu schöpfen, und wie ihr, aus der Liebe zur Musik . Euer Bericht im NDR hat mich sehr beeindruckt! Ich besuche immer wieder meine Verwandten, auch nahe Dresden .
    Herzliche Grüße E. Borch

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