Wie entstand ›Nachbarn‹? Teil 1: Der Schreibprozess

Teil 1 unserer Serie zur Entstehung des Romans von Madeleine Prahs

Madeleine Prahs
© Nils A. Petersen

Wie entsteht ein Buch bei dtv? Anlässlich der Neuerscheinung von Madeleine Prahs ›Nachbarn‹ blicken wir hinter die Kulissen – vom Schreibtisch der Autorin, über das Lektorat und die Herstellung bis zum fertigen Buch im Laden.

Worum geht es im Roman ›Nachbarn‹?

Als Kind flieht Anne Liebert kurz vor dem Mauerfall in den Westen. Später, zurück in Berlin, schlägt sie sich als Altenpflegerin durch, allein mit ihrer kleinen Tochter Marie. Das Glück, scheint es, ist nach unbekannt verzogen, und dann spült ihr das Schicksal auch noch den Rentner Karl Fritzsche vor die Füße. Der Misanthrop und Diabetiker sitzt auf seinem Balkon und wartet auf das Ende – bis eines Tages Marie in seinem Wohnzimmer steht, und nichts ist mehr, wie es einmal war.

Hans, Hanna und Matthias haben sich während des Studiums kennengelernt – eine Freundschaft, eine Liebe, eine Rivalität. Die deutsche Geschichte treibt ihre Lebenswege auseinander, ein Verrat führt sie wieder zusammen.

Vom kleinen Mädchen über den Kunsthistoriker, der aus der Republik flüchtete, bis zum alten, verwitweten Mann – tief taucht der Leser in die Leben von sechs Menschen ein und begleitet sie von 1989 bis 2006 auf dem hindernisreichen und oft überraschenden Parcours durch die eigene Biographie. Ein Roman mit wunderbaren, tragikomischen Geschichten von der Verlorenheit im Leben und der Sehnsucht nach einem anderen.

Madeleine Prahs über den Schreibprozess von ›Nachbarn‹

Die Figuren in ›Nachbarn‹ – vom Rentner bis zum kleinen Kind – habe ich mir im Grunde Stück für Stück erschrieben. Das war ein langer, aber auch sehr wichtiger Prozess. Hemingway hat das als »Eisbergmodell« definiert: Von jedem bisschen, das sichtbar ist, liegen sieben Achtel unter Wasser. Alles, von dem man weiß, und das man eliminieren kann, festigt den Eisberg nur. Das ist der Teil, der nicht sichtbar ist. Lässt man jedoch etwas aus, was man nicht weiß, dann ist da ein Loch in der Geschichte.

Mein Roman umfasst eine Spanne von 17 Jahren, man kann darüber nur schlaglichtartig und elliptisch erzählen. Vier Zeitebenen sind in dem Roman zu finden – erzählt wird, was sechs Menschen während einiger Wochen in den Jahren 1989/1990, 1994, 2001 und 2006 erleben. Ich wusste, ich muss diese Leben nicht bis ins kleinste Detail auserzählen, aber ich musste die Figuren kennen, und zwar sehr gut.

Madeleine Prahs
Nachbarn

Das Gespräch führte Tina Rausch

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